Claude Lambert, Schweiz


Reichlin-Lambert 1954 in Bern Am 1.April 2010 wird ein ehemaliger Rennfahrer 79 Jahre alt, besser sollte man schreiben jung, der die typische Privatfahrerszene, speziell die Sidecarszene, der fünfziger und sechziger des vorigen Jahrhunderts präzise verkörpert:

Claude Lambert

Der Genfer war nie Weltmeister, hat auch nie einen Weltmeisterschaftslauf gewonnen, und ist trotzdem, 36 Jahre nach dem Ende seiner über 20-jährigen Karriere, noch immer im Gespräch der echten Rennsportanhänger.
Nach Versuchen in den Soloklassen, entdeckte er sehr bald seine grosse Liebe für die Sidecarkategorie. Eigentlich kein Wunder, hat doch gerade die Seitenwagenklasse in der Schweiz eine besondere Tradition und Qualität. Dabei absolvierte er seine "ersten Gehversuche" als Beifahrer. Im Foto oben sehen wir Claude im Gespann von André Reichlin 1954 in Bern, verfolgt von Hans Haldemann, bei dem als Beifahrer kein Geringerer als Luigi Taveri seine Arbeit verrichtet. Auch bei Edgar Strub war Claude Lambert als Passagier im Einsatz, Strub-Lambert in Mettet/B wie auf dem linken Bild vom belgischen Mettet zu sehen. Übrigens, auch wenn es allgemein bekannt ist, dass der Oltener so seine Eigenheiten hatte, "als Fahrer war er exzellent", schwärmt Claude von Edgar Strub.

Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, wo ihn sein Dasein als Co-Pilot nicht mehr ausfüllte. Mit viel Talent, Begeisterung und Einsatz, aber wenig konkurrenzfähigem Material, wechselte er vom "Co" zum Fahrer und mit seiner Frau Marie-Laure hatte er auch gleich eine passende Passagierin, die Talent und Freude am Gespannfahren mit ihm teilte. Auch die Umgangsweise an den Rennstrecken gefiel beiden, denn diese Atmosphäre in den Fahrerlagern war nicht von der sterilen Art heutiger "GP-Circuits": alle waren wie eine grosse Familie zueinander, Reichlin-Lambert 1954 in Bern wie auf dem unteren Foto aus dem spanischen Zaragoza zu sehen ist. Auf dem Foto sehen wir Bruno Hofmann (als einziger noch am Leben), Jacques Rogliardo (Koch und Restaurantbesitzer), "Fiston", mit bürgerlichen Name Gottfried Rüfenacht, Alwin Ritter, Emil Hörner und Marie-Laure Lambert. Die Kenner der Szene werden sofort stutzen und sich fragen: Zaragoza, das war doch gar kein WM-Lauf. Stimmt, Zaragoza gehörte nicht in die Reihe der WM-Rennen, aber bei solchen "Interrennen" konnte man als Privatfahrer mehr verdienen als an den Grand Prix Veranstaltungen. Damals handelten die Fahrer ihr Startgeld mit den Veranstaltern selber aus. Diese Machtstellung nutzten die GP-Verantwortlichen oft zu ihrem Vorteil aus. Wer in der WM Ambitionen auf den Titel oder auf vordere Plätze hatte, war praktisch gezwungen, zu nahezu jedem Angebot an den Start zu gehen, denn man brauchte ja die Punkte in der WM-Wertung. Anders stellte sich die Situation bei den "Interrennen" dar. Dort waren die Ausrichter oft grosszügiger zu den Fahrern, denn mit interessanten Starterfeldern kamen auch mehr Zuschauer und damit für die Veranstalter mehr Einnahmen. Lambert-Lambert 1960 am Sachsenring Zu den bei "Interrennen" gefragtesten Piloten zählte auch Claude Lambert. Er war nicht nur wegen seines jederzeit hohen sportlichen und fairen Einsatzes bei den Veranstaltern beliebt, sondern wegen seiner freundlichen Umgangsart auch bei den Rennfahrerkollegen. Auf dem linken Foto sehen wir ihm beim Sachsenringrennen 1960 mit Rodolphe Rüfenacht in der Badbergkurve.

Das darauf folgende Jahr 1961 zu erwähnen fällt mir als Schreiber dieser Zeilen sehr, sehr schwer. Auf der von Claude so sehr geliebten Tourist Trophy auf der Isle of Man ereilte die Lamberts ein schwerer, tragischer Unfall, bei dem Marie-Laure ihr Leben lassen musste. Ein schwerer Schicksalsschlag für den symphatischen Fahrer aus Genf.

Herzig-Lambert 1962 in Clermont Marie-Laurie, die den Seitenwagensport mit der gleichen Leidenschaft betrieben hatte wie Claude, hätte ganz sicher nicht gewollt, dass Claude wegen dieses unausweichlichen Schicksalsschlages das Leder an den berühmten Nagel hängt. Diese Frage beschäftigte ihn immer und immer wieder. Als dann das Jahr 1962 kam stand für ihn fest: ich setze meine Rennkarriere fort, auch oder gerade wegen Marie-Laurie. Mit Alfred Herzig hatte er dann auch einen talentierten und zuverlässigen Beifahrer gefunden und mit einer BMW war er jetzt auch besser motorisiert. Auf dem rechten Foto sehen wir die beiden beim zweiten Grand Prix der Saison, dem WM-Lauf im französischen Clermont-Ferrand. Am Ende sprang für die Schweizer ein hervorragender fünfter Platz heraus und damit für beide die ersten WM-Punkte ihrer Laufbahn. Eine glanzvolle Leistung nach dem Schicksalsjahr 1961. Doch es sollte noch besser kommen. Beim darauffolgenden Rennen, der Tourist Trophy auf der Isle of Man wurden beide sogar Vierter - einfach sensationell, denn sie wissen ja, das Jahr vorher... Bei allen noch folgenden WM-Rennen 1962 kamen Lambert/Herzig jeweils in den Punkterängen ins Ziel und Ende Saison sprang dabei ein hervorragender sechster WM-Rang heraus. Für Claude war mit seinen finanziellen Möglichkeiten dieses hervorragende WM-Ergebnis eigentlich kaum zu überbieten, zumal Alfred Herzig 1963 zu Florian Camathias wechselte, wohl in der Hoffnung, mit "Flori" ein noch besseres WM-Ergebnis erreichen zu können. Leider verlor er dann bei einem tragischen Unfall ein Bein.
1963 erreichte dann Claude beim deutschen Grand Prix, diesmal mit "Fiston" Gottfried Rüfenacht im Beiwagen, mit einem sechsten Platz seinen letzten WM-Zähler - das Rennen hatten Camathias-Herzig gewonnen, eben jener Alfred Herzig, der noch im Jahr vorher mit Claude unterwegs gewesen war. Bis 1974 trat Claude noch bei Seitenwagenrennen an, doch dann entschloss er sich endgültig: Schluss, Aus, Feierabend...
Was ihm bis zum heutigen Tag geblieben ist, ist die Liebe zum Rennsport allgemein und speziell zum Seitenwagenrennsport, die Achtung und Verehrung seiner früheren Rennfahrerkollegen, von denen leider schon viele das Erdendasein verlassen haben.

 1994 - in Silverstone zusammen mit vielen "Ehemaligen" (2.von links) und mit Max Deubel bei der TT

zu Besuch beim vierfachen Weltmeister Eric Oliver (GB) 1978 in dessen Heim in Staines

Einmal Sidecar, immer Sidecar: in seiner französischen Wahlheimat mit einem Gespann unterwegs

Alles Gute und weiterhin beste Gesundheit


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