Finnland

Iisalmi

  Im hohen Norden Finnlands, über 450 Km nordöstlich der finnischen Hauptstadt Helsinki gelegen, liegt das kleine (22000 Einwohner) Städtchen Iisalmi. Bekannt ist dieses Städtchen durch seine herrliche Landschaft mit zahlreichen Seen, durch eine grße Brauerei, durch das im Hafen gelegene kleinste Restaurant der Welt - 2 Sitzplätze, im Sommer bei geöffneter Terasse kommen weitere 2 Plätze hinzu - und durch einen weltbekannten ehemaligen Motorradrennfahrer. Die Rede ist von

Teuvo "Tepi" Länsivuori

Der dreifache Vizeweltmeister und achtfache Grand Prix Sieger feiert am 9. Dezember 2010 seinen 65. Geburtstag. Das linke Foto spricht für die Klasse des rotblonden Finne, der Stars wie Bonera, Agostini, Read und Braun (von links nach rechts) soeben besiegt hatte.
Seine Grundlagen des Rennsports eignete sich "Tepi", Länsivuori wie viele Rennfahrer aus seinem Heimatland auch, im Gelände und bei den in Finnland sehr populären Eisrennen an.

Bald fühlte er jedoch, seine Zukunft lag auf der Straße, respektive natürlich bei Straßenrennen. Allerdings sind die Voraussetzungen in Finnland dafür nicht sonderlich gut - zu wenig Strecken. Trotz der widrigen Umstände, sein Entschluß stand fest. So startete er 1963 erstmal bei einem Straßenrennen in Väinölänniemi.

Bereits ein Jahr später folgte sein erster internationaler Auftritt auf einem Kurs in der Nähe von Stockhom in Schweden.

Auffällig in dem Zusammenhang, daß die Karriere seines besten Freundes in der Rennszene, Jarno Saarinen, bis zu der Tragödie von Monza praktisch parallel verlief. Saarinen war bis dato zwar der erfolgreichere Fahrer, aber auch ein Jungspund im Verhältnis zu Tepi, denn Jarno war der um 2 Tage jüngere der beiden Heros aus Finnland.
Am 3. August 1969 war es dann für Tepi soweit. Auf seiner finnischen Hausstrecke in Imatra, nahe der russischen Grenze, holte er sich seinen ersten WM - Punkt. Besser gesagt seine ersten WM - Punkte, denn für seinen achten Platz in der Viertelliterklasse gab es gleich deren drei. Wie heißt es so schön: von da an ging´s bergauf! Im spanischen Jarama, nahe der Haupstadt Madrid, konnte er dann in der 350 ccm Klasse erstmals Länsivuori die oberste Stufe des Siegerpodestes betreten - es war der erste seiner acht Grand Prix Siege. Auch wenn es später wertvollere Siege gegeben hat, ein Meilenstein in seiner Karriere war es allemal. Die Freude für die Piloten aus dem Land der "Tausend Seen" komplettierte Freund Jarno, der das Viertelliterrennen für sich entscheiden konnte. Wenn ich von wertvolleren Siegen geschrieben habe, dann zählt ganz sicher der Sieg beim Grand Prix 1973 in der Klasse bis 350 ccm dazu, als er vor der gesamten Weltelite jener Tage einkam (siehe Foto oben mit - von links - Bonera, Aostini, Länsivuori, Read und Braun). Zusätzlich belegte er in der Viertelliterklasse noch Platz drei. Ein wirklich erfolgreicher Tag, dieser 15. Juli 1973 in der Mährischen Hauptstadt Brno. Die beiden Fotos oben rechts zeigen nicht nur das wunderschöne Wetter an diesem Tag, sondern auch die erfolgreichen Fahrten in beiden Klassen. Als zweifacher Vizeweltmeister verabschiedete sich Tepi von der Saison 1973.

Bisher war der Finne immer in den Klassen bis 250 ccm und 350 ccm angetreten. Eine Ausnahme war 1971, als er nur diese eine Saison auch in der Achtelliterklasse startete. Jetzt aber suchte er, mit den zwei Vizetiteln im Rücken, eine neue Herausforderung. Diese war mit der Halbliterklasse gegeben. Wie seinerzeit durchaus üblich, startete er 1974 also auch in zwei Klassen, in der Klasse bis 350 ccm und in der Halbliterklasse. Er wurde in der "Königsklasse" auf Anhieb WM - Dritter und fuhr im schwedischen Anderstorp seinen ersten (leider war dies der einzige) Grand Prix Sieg bei den Fünfhundertern ein. Vielleicht auch deshalb bezeichnet Teuvo den schwedischen Kurs als seine Lieblingsstrecke. Dazu kamen dann auch noch weitere 4 Podestplätze.

1974 war auch das letzte Jahr mit Yamaha. Diese konzentrierten sich für 1975 voll auf Agostini, um unbedingt den ersten Halblitertitel für das Werk nach Japan zu holen. "Länsi" wechselte deshalb 1975 zu Suzuki und kam auf Anhieb auf Rang vier der Gesamtwertung. 1976 bot sich bei Suzuki allerdings eine ähnliches Situation wie vorher bei Yamaha. Sie setzten nämlich ihr gesamtes Potenzial auf Barry Sheene, der dann auch Weltmeister wurde. Immerhin holte Tepi auch noch den Vizetitel für das japanische Werk. Für seine berechtigt gehobenen Ansprüche waren Länsivuori die Jahre 1977 und 1978, salopp gesagt, "nicht das Gelbe vom Ei", sodaß er nach dem Halbliterrennen 1978 auf dem Nürburgring sagte: "das war es für mich in der Motorradweltmeisterschaft. Immerhin langte es in seinem letzten WM - Rennen mit 1 Minute und 10 Sekunden Rückstand zum Sieger Virginio Ferrari aus Italien für einen neunten Rang. Seine WM - Laufbahn war damit vorbei, nicht aber sein Interesse für Motorradrennen. Bis 2009 zeigte er noch bei kleineren Veranstaltungen sein immer noch vorhandenes großes Können. Jetzt ist er immer noch bei Classic - Veranstaltungen mit seiner Suzuki 500 RG unterwegs und ein gern gesehener Gast. Das Bild rechts zeigt Tepi 2004 in Spa / Francorchamps.

Um auch nach der Karriere wirtschaftlich abgesichert zu sein, kaufte (!) er von seinem Vater das elterliche Beerdigungsinstitut. Nach seiner Pensionierung reichte er dieses an den Sohn seines Bruders weiter.
Heute ist Teuvo verheiratet mit Arja. Er ist Vater von einem Mädchen und zwei Jungen. Leider ist sein Sohn Eero, 1975 geboren, vor einigen Jahren verstorben. Heute betreibt Tepi Skisport in all seinen Facetten (in Finnland nicht ungewöhnlich), verreist gern und auch sein Hund hat ein Anrecht auf ausgiebige Spaziergänge.

Länsivuori´s WM - Resultate innerhalb der Punktewertung
Rang Jahr Marke Klasse Resultate

38

1969 Yamaha 250 cc Imatra (SF) 8.

41

1970 Yamaha 125 cc Le Mans (F) 10. - Imatra (SF) 8.

27

1970 Yamaha 250 cc Nürburgring (D) 10. - Opatija (YU) 6. - Brno (CS) 10.

22

1971 Yamaha 250 cc Anderstorp (S) 4.

9

1971 Yamaha 350 cc Anderstorp (S) 6. - Monza (I) 6. - Jarama (E) 1.

5

1972 Yamaha 250 cc Nürburgring (D) 9. - Clermont Ferrand (F) 6. - Salzburgring (A) 7. - Imola (I) 4. - Assen (NL) 8. - Spa Francorchamps (B) 8. -
Brno (CS) 8. - Anderstorp (S) 5. - Imatra (SF) 4. - Montjuich (E) 2.

7

1972 Yamaha 350 cc Nürburgring (D) 6. - Clermont Ferrand (F) 2. - Salzburgring (A) 6. - Assen (NL) 8. - Sachsenring (DDR) 5. - Brno (CS) 6. -
Imatra (SF) 5.

2

1973 Yamaha 250 cc Paul Ricard (F) 5. - Salzburgring (A) 4. - Hockenheim (D) 3. - Spa Francorchamps (B) 1. - Brno (CS) 3. - Imatra (SF) 1.

2

1973 Yamaha 350 cc Paul Ricard (F) 3. - Salzburgring (A) 3. - Hockenheim (D) 1. - Monza (I) 2. - Assen (NL) 3. - Brno (CS) 1. - Anderstorp (S) 1.

6

1974 Yamaha 350 cc Clermont Ferrand (F) 2. - Anderstorp (S) 1.

3

1974 Yamaha 500 cc Clermont Ferrand (F) 4. - Imola (I) 2. - Assen (NL) 2. - Anderstorp (S) 1. - Imatra (SF) 3. - Brno (CS) 3.

4

1975 Suzuki 500 cc Salzburgring (A) 2. - Hockenheim (D) 3. - Assen (NL) 5. - Imatra (SF) 2.

2

1976 Suzuki 500 cc Le Mans (F) 4. - Mugello (I) 4. - Spa Francorchamps (B) 5. - Anderstorp (S) 4. - Imatra (SF) 2. - Brno (CS) 2.

9

1977 Suzuki 500 cc Paul Ricard (F) 7. - Assen (NL) 7. - Spa Francorchamps (B) 4. - Imatra (SF) 7. - Brno (CS) 6. - Silverstone (GB) 3.

8

1978 Suzuki 500 cc Jarama (E) 7. - Salzburgring (A) 5. - Mugello (I) 7. - Spa Francorchamps (B) 5. - Karlskoga (S) 8. - Imatra (SF) 4. -
Silverstone (GB) 5. - Nürburgring (D) 9.


   © Fotos: Günter Geyler, FBi, RolfE - Text: RolfE Dank an Risto Salovaara für seine Hilfe zurück