KEN KAVANAGH...

...ein Weltbürger von "down under"

Text: Frank Bischoff Fotos: Kavanagh, Bryen, Bischoff, Eggersdorfer, Geyler
Die Geschichte der Motorradweltmeisterschaft begann 1949. Sie besteht aus vielen unterschiedlichen Kapiteln. Ken Kavanagh´s 1958 leider tödlich verunglückter Landsmann Keith Ronald Campbell trug sich als erster Nichteuropäer in die Liste der Weltmeister ein. Wen wundert es da, dass der erste nicht aus der „Alten Welt“ kommende Grand Prix Sieger ebenfalls aus dem Erdteil der Känguruhs und Koalabären stammt? Thomas Kenrich – besser bekannt als Ken – Kavanagh wurde am 12. Dezember 1923 in Melbourne geboren.
Seine Eltern John und Dorothy waren irischer Abstammung und – wie auch er – Katholik. Er hatte einen Bruder und eine Schwester.

Als Anachronismus zu Kens späterer Entwicklung hasste der Vater Motorräder. Als er erfuhr, dass sein Sohn eine Ausbildung zum Mechaniker für Motorräder begonnen hatte, brach er die Verbindung zu ihm ab und untersagte den weiteren Aufenthalt im elterlichen Heim. In Konsequenz daraus lebte Ken einige Tage quasi als Obdachloser am Station Pier des Melbourner Hafens.
Seinem Chef, Col Sampson, fiel aber zwangsläufig auf, dass der äußere Zustand seines Lehrlinges immer schlechter wurde. Des Chefs Frage und Kens Antwort klärten die Situation. Col, oftmals selbst in der Werkstatt übernachtend, hatte gerade geheiratet – es war Kens Glück. Der Chef wechselte in das eheliche Heim und machte den Schlafplatz in der Werkstatt frei.
Die Rennsportkarriere von Australiens erstem Grand-Prix-Sieger begann am 7. Februar 1944. An diesem Tag wurde er Mitglied des großen und sehr aktiven Hartwell Motorcycle Clubs, in welchem Col Sampson eine dominierende Position einnahm. Der erste Erfolg ließ nicht lange auf sich warten; es war der Sieg im „Newcomer Race“ in Dandenong Creek, einem Bergrennen. Einen weiteren 1.Platz erzielte Ken in Jordanville.

Der 2. Weltkrieg, in den bekanntlich auch Australien – vorrangig im pazifischen Raum – verwickelt wurde, war zu Ende. Die Hoffnungen in die Zukunft wurden wieder viel größer, und auch für den Rennsport ergaben sich weit bessere Chancen.
Das erste Rennen nach dem Krieg fand im Victoria-Park von Ballarat statt. In der über 10 Runden führenden Clubmans - T.T. wurde Ken zwar nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen von seinem Clubkollegen Jack French geschlagen, gewann aber dann die erstklassig eingestufte Bergmeisterschaft in Templestowe.
Alle Erfolge des Ken Kavanagh aus dieser Zeit aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. So soll representativ für diese der Sieg im „Australia Day“ 1949, ausgetragen auf dem Kurs von Rowville (32 km von Melbourne entfernt), stehen.
Dem in der Vorkriegszeit bereits erfolgreichen Fergus Anderson – später (1953 und 54) Weltmeister der 350-ccm-Klasse auf Moto Guzzi – gelang es dabei nicht, seine AJS 7R „Boy Racer“ zum Sieg zu führen. 3 Australiern, die in der Reihenfolge Ken Kavanagh, Ron Hunter und Alan Johnson die Ziellinie überfuhren, musste der Schotte den Vortritt lassen. Jahre später erfuhren auf ähnliche Weise mit Geoffrey Duke und Richard H. „Dickie“ Dale weitere europäische Spitzenfahrer, dass es in Australien sehr gute Rennfahrer gab.

Ken erzielte seine Erfolge auf einer MSS Velocette und auf der ersten Nachkriegs-Norton „Manx“, die in Australien importiert worden war..
Mittlerweile gehörte er zu den erfolgreichsten australischen Rennfahrern, war sich aber im Klaren darüber, dass die lokalen Erfolge der Aufwertung durch die Teilnahme an Rennen in Europa bedurften. Beispielgebend dafür war Landsmann Eric McPherson. 1949 belegte dieser auf der damals dominierenden Velocette KSS im Ulster Grand-Prix (Clady) den sehr guten 4. Platz und letztendlich den gleichen Gesamtrang in der 350-ccm-Weltmeisterschaft.
Die große Chance für den Sprung in den „Continental Circus“ ergab sich für unseren Australier 1951. Entsprechend den Traditionen des Commonwealth entsandte auch der „fünfte Kontinent“ ein Team in das „Mutterland“, konkret zur Isle-of-Man-T.T.. Maurie Quinceys beruflich bedingter Verzicht war Kens Glück: gemeinsam mit Harry Hinton sen. (Vater von Eric und Harry jun.) und Tony McAlpine bildete er – ursprünglich nur „Reservist“ - das T.-T.-Team. Harry Hinton sen. besass bereits viel “Europa-Erfahrung”; als erster Australier hatte er 1950 beim Ulster Grand Prix und in Monza (350 ccm/Norton)) sowie in Assen (500 ccm/Norton) nach jeweils 3.Plätzen die Siegerpodeste betreten.
Ken war sich bewusst, dass eine solche Chance nicht bald wiederkommen würde. Anders, als es bei den meisten T.-T.- Neulingen der Fall war, hatte er gleich guten Kontakt zu diesem wohl kompliziertesten Kurs der Welt. Besonders wichtig – er stürzte nicht und war zudem schnell.
Während der Junior-T.T. stürzte Harry Hinton – an 2.Stelle hinter Geoffrey Duke liegend – bei Laurel Banks schwer (der gleiche Streckenpunkt sollte 11 Jahre später Tom Phillis zum Verhängnis werden). Rennleiter Joe Craig bot Ken Kavanagh daraufhin die Norton - Werksmaschine für das 500-ccm-Senior-Rennen an. Ken aber lehnte (noch!) ab, da er meinte, nicht genug Zeit zum Training mit dieser Maschine zu haben und evtl. eine spätere neue Chance zu verhindern. Auf seiner eigenen 500er Norton lag er nach einer Runde an 9. Stelle und verbesserte sich stetig. Leider verhinderte ein in der letzten Runde gerissener Öltank das Erreichen des Zieles.
Zwei Wochen später fuhr er das sehr populäre Rennen in Thruxton. Während im dortigen 350er Rennen Ray Amm noch dominierte, setzte er den Rhodesier im Halbliterlauf so unter Druck, dass dieser stürzte – der Weg war frei zu Kens erstem Sieg in Europa.

Der erste Kontakt mit Deutschland ergab sich im Laufe seiner ersten Europa-Saison durch das Rennen auf dem Schottenring. Ken gewann die 350er, imponierte aber besonders im Halbliterrennen durch seine couragierte Herausforderung der BMW-Asse Georg Meier und Walter Zeller.
Nun war die Zeit gekommen, dem Werben von Norton - Rennleiter Joe Craig nachzukommen. Den zweiten Deutschland - Besuch absolvierte Ken schon als Norton-Werksfahrer. Das am 26.August auf der Solitude ausgetragene Halbliterrennen brachte den Einlauf Duke - Kavanagh - Brett- Lockett (alle Norton) vor Georg Meier und Zeller.
Der Einsatz auf den damals Spitzenniveau darstellenden Werksmaschinen aus Birmingham trug letztendlich wesentlich dazu bei, dass die Saison 1951 für Ken die bis dato beste eines in Europa gestarteten Australiers war. Drei 2.Plätze (Ulster 350+500; Monza 350) und ein dritter Rang in Assen (350) sowie die Weltmeisterschafts-Gesamtränge 4 (350) und 9 (500) waren eine Visitenkarte, mit der sich optimistisch in die Zukunft schauen ließ.
Ende Oktober kehrte er nach Australien zurück.. Fahrerische Klasse und bestes Material waren die Grundlage für viele Erfolge. Wie die Kopie des Briefes beweist, ließ Joe Craig seinen Schützling nun auch aus der Distanz nicht mehr aus den Augen.
Im Januar 1952 heiratete er in Australien Joan. Aus dieser Verbindung stammt Sohn Peter. Die Ehe scheiterte letztendlich in erster Linie an Meinungsverschiedenheiten bezüglich des gemeinsamen Aufenthaltsortes und wurde 1959 geschieden.
Zurück in Europa, gewann er einige Rennen, so auch beide großen Klassen im schwedischen Hedemora. War es 1951 ein gerissener Öltank, so hinderten ihn - jeweils in der letzten Rennrunde - 1952 eine gebrochene Primärkette (500 ccm) bzw. ein gleichartig demoliertes Auslassventil an 4. Plätzen bei der T.T.. Ein Beweis seines Sportsgeistes und seiner guten Physis war es, dass er im 500er Rennen die Maschine vom Streckenpunkt Bungalow aus (6 km vor dem Ziel) rollen liess bzw. ins Ziel schob. Der Lohn für den 32. Platz war eine bronzene Replica – Sportsgeist wurde damals noch gewürdigt!
Das Geschehen der T.T. 1952 war aber auch der Punkt, an dem sich Ken Kavanagh entschied, Norton - Werksinteressen über die nationalen australischen zu stellen.
Die Krönung der Saison 1952 war der schon anfangs angesprochene erste Grand-Prix-Sieg eines Nichteuropäers auf dem Belfaster Clady-Kurs, wo der Ulster GP letztmalig ausgetragen wurde. Die 350er Werks-Norton überquerte fast 1½ Minuten vor dem irischen Teamgefährten Reginald Armstrong die Ziellinie. Zwei 2. Plätze auf der Solitude sowie zwei 3. Ränge in Assen und Spanien rundeten die Saison ab.
1953 hatte sich mit dem Wechsel von Duke und Armstrong zu Gilera eine völlig neue Situation ergeben. Ray Amm und Jack Brett waren Ken Kavanaghs Norton-Teamkollegen. Während Ray Amms Sieg auf der Isle of Man durch Dukes Ausfall begünstigt und von Leslie Grahams Todesturz auf der MV Agusta überschattet wurde, war es Ken vorbehalten, den neuen 500-ccm-Gilera-Weltmeister direkt zu bezwingen. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass Dukes Boxen-Crew ein längeres Problem beim damals üblichen Zwischentanken hatte. Diesen zweiten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere errang Ken wiederum beim Ulster GP, der ab jenem Jahr permanent auf dem Dundrod-Circuit ausgetragen wurde. Wie schon 1952 machte es ihn besonders stolz und glücklich, im Land seiner Vorfahren zu siegen. Er ist der einzige Rennfahrer, der den Ulster Grand Prix auf zwei unterschiedlichen Kursen gewann.
Neben weiteren auf Norton-Maschinen erreichten Punkterängen, die ihm jeweils 4.Plätze in den Endwertungen brachten, ist aber besonders das nun erwachte Interesse von Moto Guzzi an Kens Diensten zu erwähnen. In Abwesenheit der damals überragenden NSU-Equipe ließen fünf Fahrer auf 250-ccm-Guzzis in der Reihenfolge Lorenzetti-Kavanagh-Anderson-Montanari-Wood August Hobl auf DKW nur einen WM-Punkt. Im Folgejahr punktete der Australier nochmals als 4. in Assen bei den Viertelliter-Maschinen, verschrieb sich aber dann wieder ganz den „Grossen“.
Vor dem Rennen im Montjuich-Park von Barcelona war Ken noch auf den Nortons in Scarborough und Silverstone gestartet. Nur die anwesenden Joe Craig und Norton-Generaldirektor Gilbert Smith wussten: es würden Kavanaghs letzte  Rennen als Norton-Werksfahrer sein. Ray Amm war „außer Gefecht“, und so blieb es Ken, Jack Brett, John Storr und John Surtees überlassen, die Flagge des Birminghamer Werkes hochzuhalten. Ken gewann sowohl die 350er- als auch die Halbliterklasse.
Unmittelbar nach dem Silverstone-Rennen bot der legendäre, mittlerweile leider verstorbene Moto-Guzzi-Chefingenieur Giulio Cesare Carcano (Schöpfer der legendären 500-ccm-V-8) Ken einen Werksvertrag für die gesamte Saison 1954 an. Da der Rückzug des Norton-Werksteams – Ende 1954 Realität werdend – schon im Gespräch war, gab es für Ken keine andere Lösung: er wechselte nach Mandello del Lario. Dass diese Entscheidung – er war noch keine 30 Jahre alt - für sein weiteres Leben von elementarer Bedeutung sein sollte, konnte er damals nicht ahnen.
Das erste Rennen als offizieller Moto-Guzzi-Werksfahrer absolvierte Kavanagh Anfang April 1954 im französischen Pau und gewann die 350er Klasse. Es war ein Interrennen, wie sie damals sehr häufig gefahren wurden. In diesen Veranstaltungen verdienten sich vor allem die Privatfahrer das Geld, welches ihnen bei den WM-Läufen von der FIM und den Veranstaltern vorenthalten wurde. Sein Landsmann und späterer Nachfolger im Guzzi-Sattel, Keith Campbell, wurde Dritter.
Obwohl er zum Auftakt der Weltmeisterschaft in allen 3 T.T-Rennen ausfiel, wurde 1954 seine erfolgreichste Saison. Der Sieg in Spa-Francorchamps, ein 2. Platz im Berner Bremgartenwald und ein 3. Rang in Monza (dort nur um 6/10 Sekunden hinter dem Sieger zurück) ergaben Gesamtplatz 4 in der 350er Weltmeisterschaft. Die beste Gesamtplatzierung seiner Karriere war der 3.Platz in der Halbliterklasse. Zweimal – in Spa-Francorchamps und Barcelona – sah er die schwarz-weiße Flagge als Zweiter, dazu Vierter auf der Solitude und 6. in Monza. Das Rennen in Barcelona ist auch deswegen erwähnenswert, weil Dickie Dale auf einer damals noch nicht so zuverlässigen MV-Agusta siegte.
Nicht nur für Ken traurige Ereignisse waren die tödlichen Unfälle seiner Landsleute Laurie Boulter auf der Isle of Man und Gordon Laing in Spa-Francorchamps.
Tödliche Unfälle und schwere Verletzungen waren damals noch die ständigen Begleiter des Rennsportes.1955 begann wieder mit einem traurigen Ereignis. Bei seinem ersten Start auf MV Agusta verunglückte Kens Dauerrivale und Freund, Ray Amm, in Imola tödlich.
Das Guzzi-Werksteam bestand anfänglich aus Ken, Dickie Dale und Giulio Agostini. Auf Fürsprache von Fergus Anderson, der nun Rennleiter war, kam Bill Lomas noch dazu. Lomas war durch den werksseitigen Rückzug von AJS ohne Team, und   Anderson ließ von Anfang an keinen Zweifel darüber aufkommen, dass Lomas „sein Mann“ war. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Stallorder der Werke die Ergebnisse mitbestimmte. Und so hatte Ken auch bei Guzzi nicht die Lobby, um Weltmeister werden zu können.
Trotzdem siegte er in Assen vor Lomas und Dale, wurde 3. in Monza und am Saisonende Vierter der 350er Weltmeisterschaft. Die T.T. brachte ihm zwar mit dem 3.Platz bei den Halblitern mehr Glück als im Vorjahr; da es aber der einzige Punkterang war, blieb am Ende nur der 12. Gesamtplatz.
Fergus Anderson war von Fall zu Fall auch als Rennleiter noch selbst gefahren. So siegte er z.B.1955 im belgischen Mettet in beiden großen Klassen. Nun aber – offenbar auch im Ergebnis der „Verschrottung“ einer V-8 bei Probefahrten – bekam er von Guzzi keine Maschinen mehr. So kam es zum Kontrakt mit BMW. Dieser wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Bei einem Rennen am 6.Mai 1956 verunglückte er im belgischen Floreffe tödlich.
Die Guzzi V-8, noch heute als technisches Wunderwerk anerkannt, wurde nun verstärkt eingesetzt. Ihr Debüt hatte die Maschine während des Trainings in Spa-Francorchamps, Senigallia und Monza 1955. So interessant das Projekt auch war, das Ingenieurteam um Carcano bekam die Probleme nie richtig in den Griff. Ihre Leistungsfähigkeit bewies sie aber zum Beispiel in Hockenheim 1956, wo Ken Kavanagh den Rundenrekord auf 199 km/h schraubte, dann aber leider ausfiel. Den ersten V-8-Sieg holte Giuseppe Colnago am 19.März 1957 im italienischen Meisterschaftslauf in Siracusa, den wohl bedeutendsten Dickie Dale bei der „Coppa d `Oro “ in Imola am 22.April des gleichen Jahres.
Für Ken war 1956 trotz seines ersten und einzigen T.T.-Sieges auf der 350ccm-Einzylinder-Guzzi ein unglückliches Jahr. Zahlreiche Ausfälle und vor allem das Scheitern des Versuches, die Verantwortlichen in Mandello del Lario von notwendigen Fahrwerksveränderungen an der V-8 zu überzeugen, führten zur Trennung von Moto Guzzi.
Er nahm Verbindung zu MV Agusta auf. Dort allerdings war John Surtees durch seinen 500-ccm-Titelgewinn 1956 die klare Nummer 1, und der Engländer hatte natürlich kein Interesse an Konkurrenz im eigenen Stall. Graf Domenico Agusta agierte dann sehr halbherzig und machte z.B. den Start Ken Kavanaghs in Imola 1957 nicht nur von einer unsinnigen Siegesgarantie abhängig, er bot ihm sogar die für damalige Zeiten hohe Summe von 3000 Pfund Sterling für einen Startverzicht an. Nachdem Ken auch keine Berücksichtigung für die T.T. fand, war er sich über das Ende der noch gar nicht richtig zustande gekommenen Verbindung im Klaren.
Nun versuchte er sich auf 4 Rädern und erwarb einen 1957er Maserati 250F, dem Weltmeisterfahrzeug Juan Manuel Fangios. Mit diesem Fahrzeug war er in Europa und Südamerika aktiv. Technische Defekte waren es vorrangig, die Erfolge verhinderten. Nachdem er bei einem Regenrennen in Goodwood 1959 in einen Unfall in der Boxenstraße verwickelt war, beschloss Ken, es nochmals auf zwei Rädern zu versuchen.
Mit einer 125 ccm Ducati und 2 Nortons absolvierte er die Saison 1959. Sein an der Solitude 1955 geäußerter Wunsch, einmal in „Chemnitz“ (gemeint war der Sachsenring) zu starten, ging nun auch in Erfüllung. Und von der Weltmeisterschaft verabschiedete er sich mit 4. Plätzen in Ulster (125 ccm) und Hockenheim (500 ccm), zwei fünften Rängen in Spa-Francorchamps und Kristianstad sowie einem 6. in Assen (alle auf Ducati 125 ccm).
Ende November verließ er Europa in Richtung Australien und absolvierte dort einige Rennen mit Erfolg. Aufkommende Überlegungen bezüglich einer weiteren Rennzeit wurden letztendlich auch durch den tödlichen Unfall seines Freundes Bob Brown auf der Solitude beendet. Er hatte nun Italien zu seiner neuen Heimat erkoren und wurde in Bergamo sesshaft. In der norditalienischen Stadt fand am 25.Januar 1965 die Hochzeit mit seiner zweiten Frau Graziella statt. Mit ihr lebt er heute noch dort. Sie haben 2 Töchter (Veronica und Kristina) und 2 Söhne (Ken und Michael), die alle sehr gute berufliche Laufbahnen absolvierten.
Der Anlass für seine Reise nach Australien 1981 war in erster Linie der 80. Geburtstag seiner Mutter, aber auch die Teilnahme am 50.Jubiläum des Hartwell Clubs.
In Bergamo hatte Ende der 1970er Jahre auch ein Landsmann Quartier genommen, Kel Carruthers. Ein Kuriosum: beide lebten etwa 10 Jahre nur 15 km voneinander entfernt, trafen sich aber erstmals 1988. Carruthers war damals Cheftechniker in Giacomo Agostinis Yamaha-Team, für das Eddie Lawson 3 Weltmeistertitel holte.
  Kommt man heute zu Ken, so trifft man einen sehr freundlichen Menschen und eine ebensolche Familie an. Er kommt zwar nicht zu den heute üblichen „Oldtimer“-Veranstaltungen, die Erinnerungen an eine große Karriere sind aber in Form von Bildern und Pokalen präsent. Und wenn man mit ihm auf seine Rennzeit zu sprechen kommt, dann entwickelt er sein ganzes irisch-australisch-italienisches Temperament. Am 12. Dezember 2009 wird er 86 Jahre jung. In seinem Fall trifft das "jung" absolut zu. Dazu gratulieren wir ganz herzlich.

Ken Kavanagh´s WM-Resultate
Rang Jahr Marke Klasse Resultate
4 1951 Norton 350 cc Assen 3 - Ulster-Clady 2 - Monza 2
9 1951 Norton 500 cc Ulster-Clady 2
5 1952 Norton 350 cc Assen 5 - Solitude 2 - Ulster-Clady 1
6 1952 Norton 500 cc Assen 3 - Solitude 2 - Barcelona 3
6 1953 Moto-Guzzi 250 cc Barcelona 2
4 1953 Norton 350 cc TT 2 - Assen 3 - Spa-Francorchamps 5 - Bern 2
4 1953 Norton 500 cc Assen 3 - Spa-Fracorchams 4 - Rouen 4 - Ulster-Dundrod 1
13 1954 Moto-Guzzi 250 cc Assen 4
4 1954 Moto-Guzzi 350 cc Spa-Francorchamps 1 - Bern 2 - Monza 3
3 1954 Moto-Guzzi 500 cc Spa-Francorchamps 2 - Solitude 4 - Monza 6 - Barcelona 2
4 1955 Moto-Guzzi 350 cc Nürburgring 5 - Assen 1 - Monza 3
12 1955 Moto-Guzzi 500 cc TT 3
6 1956 Moto-Guzzi 350 cc TT 1 - Assen 5
8 1959 Ducati 125 cc Assen 6 - Spa-Francorchamps 5 - Kristianstad 5 - Ulster-Dundrod 4
11 1959 Norton 500 cc Hockenheim 4


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