Pat Hennen heute

Pat Hennen



USA



* 27.04.1953
Phoenix (Arizona)


Pat Hennen 1976

Wenn von amerikanischen Motorradrennfahrern gesprochen wird hört man immer wieder die gleichen Namen: Vater und Sohn Kenny Roberts, Steve Baker, Randy Mamola, Freddie Spencer, Wayne Rayney, Eddie Lawson, Kevin Schwantz, und und und... Ein Name bleibt fast immer außen vor - da hatten selbst die Experten vom DSF so ihre Schwierigkeiten, als neulich bei einer Übertragung die Frage nach dem ersten amerikanischen GP-Sieger aufkam. Die Rede ist von Pat Hennen. Doch nun der Reihe nach.
Der Amerikaner wurde am 27. April 1953 in Phoenix im US - Bundesstaat Arizona geboren. Er lebte aber dort nicht sehr lange, denn seine Eltern, sein Vater war ein professioneller Rodeo-Reiter, verschlug es alsbald in Richtung San Francisco Bay Areal und natürlich war auch Pat dabei.
Mit 15 Jahren zeigte Pat erstmals Interesse am Rennsport. Aber es waren nicht Straßenrennen, sondern er war bei Dirt Track- und Scrambles- Veranstaltungen zu sehen und griff auch, und zwar durchaus erfolgreich, aktiv ein. Sein wirkliches Interesse galt aber dem Straßenrennsport.
So richtig angefangen hat aber seine Rennfahrerlaufbahn erst nach Ende des Jahres 1971. Da sein Talent unverkennbar war, baute er, mit Hilfe seiner beiden Brüder Chip und David, eine 250 ccm Suzuki für die Saison 1973 auf, mit der er sogar zwei "Top-Ten" Plätze erreichte. Insgesamt hätten ihm seine Ergebnisse zum Aufstieg zu den Profis gereicht, doch er fühlte sich noch nicht reif genug dafür, aus sportlichen und finanziellen Gründen.
Seinen ersten wichtigen Sieg erzielte er, als er 1974 als Sieger bei der Daytona International Speedway Veranstaltung abgewunken wurde. Da er auch noch den ersten Platz in der Junior Gesamtwertung des Jahres 1974 belegt hatte, war ab der Saison 1975 nun sein Aufstieg zu den Profis besiegelt.
Wie könnte man es sagen - der Stern von Pat Hennen fing an zu leuchten.
Ein fünfter Platz in Laguna Seca und die Berufung in das amerikanische Team für die so genannten "Trans Atlantic Match Races" stellten einen ersten Höhepunkt in seiner Laufbahn dar. Dabei errang er sogar seinen ersten Sieg als Profi. Die erwähnten "Match Races" war damals eine recht populäre Team - Veranstaltung der besten Fahrer Englands gegen die stärksten Fahrer der USA. Da im Jahr vorher (1974) beim Grand Prix in Assen ein gewisser Kenny Roberts in der Viertelliterklasse einen exzellenten dritten Platz belegt hatte, hinter dem späteren Weltmeister Walter Villa aus Italien und dem aufstrebenden Bruno Kneubühler aus der Schweiz, wusste man spätestens jetzt, daß es auch in den USA hervorragende Piloten gibt.
Der nächste Schritt auf Pat Hennen´s Karriereleiter konnte jetzt für 1976 nur heißen - Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Wie richtig dieser Schritt war zeigte sich am Ende der Saison - er wurde hervorragender Dritter in der Halbliterklasse und mußte nur dem englischen Star Barry Sheene als Weltmeister des Jahres und dem Finne Teuvo Länsivuori als Vizechampion den Vortritt lassen. Besagter Finne, der sich während der Saison mit Pat Hennen angefreundet hatte, spielte dabei eine besondere Rolle. Weil für Pat Hennen alle Rennstrecken in dem Jahr "Neuland" waren, zeigte ihm der symphatische Finne auf seiner heimatlichen Strecke die "günstigste Linie" für den Kurs in Imatra. Als gelehriger Schüler konnte der Amerikaner garnicht anders, er verwies Länsivuori beim Rennen auf dem undankbaren zweiten Platz und gewann als erster US-Boy in der WM - Geschichte einen Grand Prix.
Wie selbst der Veranstalter vom Ausgang dieses Rennens überrascht wurde zeigt die Tatsache: man hatte einfach keine US-Hymne für den Sieger parat. Pat wusste sich aber umgehend zu helfen. Er setzte als Zeichen der Verehrung einen Rodeo-Hut seines Vaters auf. Sie wissen, sein Vater war ja ein Rodeo-Reiter.
1977, jetzt als Mitglied im englischen Semi - Werksteam von Heron-Suzuki, kam Pat erneut auf einen dritten WM - Rang und wiederum wurde der in Hochform agierende Barry Sheene Weltmeister. Als WM - Zweiter klassierte sich ein Landsmann von Pat Hennen, der US - Amerikaner Steve Baker, allerdings auf einem Konkurrenz - Produkt, einer Yamaha. Amerika war offenbar aufgewacht, wie sich dann 1978 zeigen sollte. Da die Resultate von Pat Hennen aufhorchen ließen, kam er 1978 erneut für einen Semi Werksvertrag bei Heron - Suzuki in frage. Konkurrent Yamaha setzte ebenfalls auf einen Amerikaner. Kenny Roberts, der in den USA zum Star aufgestiegen war, erhielt von Yamaha ebenfalls einen Werksvertrag. So war für 1978 die Situation klar, Amerika gegen Amerika, Roberts gegen Hennen und Yamaha gegen Suzuki.
Nach den ersten fünf von elf Rennen präsentierte sich der Zwischenstand so: Kenny Roberts führte mit 57 Punkten vor Pat Hennen mit 51 Punkten. Die WM war also komplett offen und selbst der zweimalige Titelträger Barry Sheene war nach diesen fünf Rennen eigentlich ohne ernsthafte Chancen für einen erneuten Titel.
Jetzt begann die Tragödie des Jahres. Pat hatte dem Management von Suzuki - Großbritannien versprochen, erneut bei der legendären und werbewirksamen Tourist Trophy zu starten, wie er dies bereits 1977 getan hatte, aber ausgefallen war. Schon seit einigen Jahren hatten sich kaum Fahrer der absoluten Spitzenklasse des Continental Circuit dort mehr sehen lassen. "Zu gefährlich", so lautete die einhellige Meinung der WM - Stars und auch ein Barry Sheene schloß sich dieser Meinung an. Nachdem sich Pat bei der Senior-TT allmählich an die Grenze des Machbaren heran getastet hatte, schlug das Schicksal gnadenlos zu. Bei ca. 200 Kmh touchierte er eine der berüchtigten Bordsteinkanten. Das Motorrad war nicht mehr zu halten und Pat wurde im hohen Bogen abgeworfen. Zwar war die medizinische Hilfe sofort zu Stelle und auch ein Rettungshubschrauber kam zum Einsatz, aber bei den erlittenen Schädelverletzungen wollte und konnte kein Arzt eine Prognose abgeben. Für drei Monate lag, respektive wurde Pat in´s Koma versetzt. Dann stellte sich ganz allmählich eine Besserung ein. An die Fortsetzung seiner kurzen, aber absolut erfolgreichen Rennsportkarriere war leider nicht mehr zu denken. Was für eine Tragik für einen solch leidenschaftlichen Rennfahrer!!! Es dauerte noch Monate, bis er wieder am normalen Leben teilhaben konnte.
Heute ist Pat bei einer Firma, welche mit KFZ - Teilen handelt, beschäftigt. Sein christlicher Glaube, dem er sich nach seinem Unfall zuwendete, half ihm über viele kritische Situationen hinweg. Er fühlt sich einfach als Mensch verpflichtet, aktiv bei verschiedenen Hilfsorganisationen mitzuwirken.

Kenny Roberts, einer seiner großen Kontrahenten jener Tage wurde einmal von einem Journalisten zu Pat Hennen befragt. Er meinte: "Pat war kein spektakulärer, aber ein sehr sicherer Fahrer und dazu schnell, verdammt schnell...". Dem ist wohl nichts hinzu zu fügen.
Pat, in the future all the best for you.

Rolf Eggersdorfer, 03.08.2009
Quelle: http://www.motorcyclemuseum.org/halloffame/
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