Befasst man sich etwas mit der Geschichte des Motorradrennsports, stößt man ab und zu auf einige Dinge, die schon sehr erstaunlich sind. Jetzt bin ich auf eine ungewöhnliche Karriere gestoßen, bei der mir spontan ein altes deutsches Sprichwort einfiel:"es ist nie zu früh und selten zu spät", oder so ähnlich lautet besagtes Sprichwort. Wenn ein Mann am 1.Januar 1914 das Licht der Welt erblickte und seine Rennkarriere im Jahr 1956 begonnen hat, also im Alter von 42 Jahren, dann ist dies sicher mehr als erstaunlich. Um wen es sich handelt? Die Rede ist von

Ernest Leslie Griffith

aus Bristol in "Old-England".
Sein erstes Motorrad war eine BSA Bantam und er hatte damit wenig brauchbaren Erfolg, wie er mir mitteilte. Doch schon 1958 lief es für ihn besser, als er den 4. Platz in der A.C.U. Stars (Englische Meisterschaft) der Klasse bis 125 cc belegte. Einer seiner Kontrahenten von damals war ein gewisser Hailwood. Das erfüllte Leslie mit besonderen Stolz, noch gegen den großen Hailwood gefahren zu sein und es machte ihm nichts aus, wenn er dabei regelmäßig besiegt worden war. Im gleichen Jahr gelang ihm dann auch der erste Sieg, im Aberdare Park in Wales. 1959 fuhr Les dann seine erste TT mit einer MV, fiel aber aus.
Er wechselte dann zu einer Montesa und einer 196 cc Bultaco und fuhr damit bis 1963, als ihn ein unglücklicher Unfall mit einigen Rückenverletzungen zurück geworfen hat.
Aber dies konnte den immer noch vorhandenen Tatendrang des nunmehr 50-jährigen nicht bremsen. Obwohl er selber glaubte, daß er für eine 50 cc Maschine zu schwer sei, erwarb er eine Fünfziger Honda und damit begann seine beste Zeit. Bei Rennen in England landete er jetzt des öfteren auf dem Siegerpodest. Auch bei den WM-Rennen auf der Isle of Man konnte er sich drei mal in den Punkterängen (damals gab es nur für die ersten sechs Plätze Punkte) platzieren mit dem Höhepunkt 1968, als er Dritter wurde (das Foto zeigt Les 1968 bei Ballacraine). Seine letzten Rennen waren dann in Jarama (Spanien), als er sich in einem Pulk "übermütiger Jugendlicher" als Sechster platzieren konnte und im englischen Darley Moor. Er meinte, mehr als der dritte Platz bei der TT war für ihn nicht mehr zu erreichen - immerhin fast 55-jährig - und er beendete seine Rennfahrerlaufbahn.
1996 ist Leslie Griffith verstorben, immer in dem Glaube, es auch im hohen Rennfahreralter noch zu etwas gebracht zu haben. Wenn er auch nicht den Bekanntheitsgrad seiner Zeitgenossen erreichte, gar nicht erreichen konnte, seine Begeisterung für den Motorradrennsport erhebt ihn trotzdem über viele seiner Rennfahrerkollegen - englischer Kampfgeist eben.
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