...zur Erinnerung an Jon´s 65. Geburtstag am 8. Oktober 2014...


Es gibt Dinge im Leben, die einfach nur Erstaunen und Bewunderung hervorrufen und verdienen. Eine solche Geschichte ist der Weg eines jungen Mannes aus Südafrika, der es ohne nennenswerte finanzielle Mittel und nur von dem Gedanke beseelt "es zu schaffen" eine großartige Karriere im Motorradrennsport hinlegte. "Es zu schaffen" hieß für den Mann aus Johannesburg nichts weiter als zu Weltmeisterehren zu kommen, ohne wenn und aber. Und er erreichte sein Ziel, als Privatier! Sein Name ist

Jon Ekerold


Jonathan, kurz Jon genannt, wusste, dieses Ziel war nur da oben im Norden zu erreichen. Also auf ging´s via Europa. Alle zu erwartenden Entbehrungen konnten den Bursche nicht von dem eingeschlagenen Weg abhalten. Anpassungsschwierigkeiten im Kreis der Weltelite schien er nicht zu kennen. So fragten sich die Besucher 1975 am Salzburgring: woher kommt denn der "Verrückte (im positiven Sinne gemeint), dessen Name kaum ein Besucher kannte und der hinter Yamaha - Werksfahrer Hideo Kanaya als Zweiter das "Stockerl" bestieg? Die Frage nach dem Name sollte sich innerhalb weniger Wochen erledigt haben.

Auch die Frage nach Freunden stellte sich. Da war vor allem eine besondere Symphatie für den Irländer Tom Herron vorhanden. Obwohl Konkurrenten auf der Strecke - sie fuhren beide in den gleichen Klassen - war vor und nach den Rennen nichts mehr davon vorhanden, sie waren Freunde geworden. Eine kleine Episode aus Assen 1978 bestätigt diese Freundschaft.

In fröhlicher Simmung gingen Jon und Tom nach Ekerold´s dritten Platz in der Viertelliterklasse durch das nächtliche Assen, als Polizisten auf sie zukamen, da diese Tom für einen gesuchten Motorraddieb hielten und ihn festnehmen wollten. Jon´s Beteuerungen, dies sei sein Freund Tom Herron aus Irland schlugen die Ordnungshüter in den Wind und er dafür jene furchtlos zu Boden. Nach zwei Tagen öffnete sich für beide Assens Gefängnistor, gerade rechtzeitig, um die eine Woche später ausgetragene Veranstaltung im belgischen Spa / Francorchamps nicht zu verpasssen. Nach dem Motto: "geteiltes Leid ist halbes Leid", fielen Beide im Rennen der Viertelliterklasse aus. Die 350er waren in Spa nicht im Programm..

Man kann mit Fug und Recht behaupten, Jon Ekerold hatte sich im "Grand Prix Circuit" inzwischen voll etabliert und war eine feste Größe geworden, nicht nur bei den Veranstaltern, sondern auch in der jeweiligen dortigen Ambulanz. Sein immer voller Einsatz brachte so manche Narbe mit sich. Aber auch das überwiegend Positive soll nicht unerwähnt bleiben, denn inzwischen hatte der Mann aus Johannesburg 1977 seinen ersten GP - Sieg im französischen Le Castellet auf der Habenseite verbuchen können. Dabei verlor er sein größtes Ziel, nämlich den WM - Titel, niemals aus den Augen. 1979 hatte sich eine geballte Ladung an absoluten Spitzenleuten in seiner bevorzugten 350er Klasse breit gemacht. Neben den von allen Fachleuten genannten Titelanwärtern auf Kawasaki, nämlich Mang, Ballington und Hansford, gab es noch eine handvoll Fahrer, die vielleicht nicht zu den Titelaspiranten zu zählen waren, aber durch einzelne Grand - Prix Siege die WM - Entscheidung jederzeit beeinflussen konnten, wobei solche Aspiranten wie Jon selbst, Johnny Cecotto und Michel Frutschi, neben Anderen, dafür im Gespräch waren. Diese Einschätzung vieler Fachleute sollte sich bewahrheiten, wie das linke Bild von Hockenheim 1979 beweist.

Es schien zum Jahrewechsel 1979/80, als würde der Südafrikaner seinem Traum Weltmeister immer näher kommen würde. Mit Greg Hansford, der aus dem Motorradrennsport ausgestiegen war und Kork Ballington, welcher von Kawasaki offenbar für die Halbliterklasse vorgesehen war, waren zwei Titelanwärter "vom Markt verschwunden". Auch Johnny Cecotto interessierte sich mehr für die Halbliterklasse und für Formel - Autos. Die Chancen standen also recht gut für Jon, wenn da nicht ein gewisser Toni Mang gewesen wäre, der sogar vom Kawasaki Werk unterstützt wurde. Was soll da ein Privatier dagegen machen? Die Antwort auf diese Frage war ganz simpel und lautete: einfach nicht aufgeben.

Die gesamte Saison lief mit leichten Punktvorteilen für Jon ab. Dann kamen die letzten Rennen in Brno und auf der Nürburgring - Nordschleife. Beide Titelkandidaten setzten sich in der Hauptstadt von Mähren schnell vom Feld ab. Ein anderer Fahrer kam für einen Einzelsieg bald nicht mehr in frage. Doch was war das? Jon konnte das Tempo von Mang nicht mehr mitgehen, da Jon´s Maschine extremen Leistungsverlust zeigte. Alle Hoffnung es könnte sich wieder bessern waren vergebens. Während Toni an der Spitze einsam seine Kreise zog, kämpfte Jon um jeden Punkt, da er von immer mehr Kontrahenten überholt wurde. Am Ende rettete er noch einen Punkt für den zehnten Platz. Ein Blick auf die Gesamtwertung offenbarte eine tolle Konstellation für den letzten Lauf am Nürburgring: beide Fahrer waren punktgleich, soll heißen, wer von den Beiden eher die Zielflagge sieht ist Weltmeister.

In nur wenigen Worten läßt sich der WM - Schlußakkord zusammenfassen. Der Nürburgring rief und Alle kamen. Die zwei verbliebenen Titelanwärter kämpften mit dem "Messern zwischen den Zähnen" um ihren, eigentlich für Beide verdient gewesenen Erfolg. Das Drama von Brno wiederholte sich glücklicherweise nicht - am Ende war das Messer von Jon minimal schärfer gewesen als jenes von Toni. Der Johannesburger hatte seinen Kindheitstraum erfüllt und der verdiente Beifall galt beiden Protagonisten. Der Rest des Feldes hatte eine stimmungsvolle Kulisse für den Kampf der Giganten abgegeben, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Rest von Jon´s Karriere ist schnell erzählt. Zwar erreichte er hinter Toni und mit stumpfen Waffen kämpfend in 1981 noch einen Vizetitel, zwar erzielte er 1982 mit einer schmalbrüstigen und unzuverlässigen Cagiva in der 500er Klasse noch einen WM - Punkt, aber "die Luft war raus" bei dem südafrikanischen Kämpfer, dessen zweite Heimat inzwischen Deutschland geworden ist. Seine Kämpferqualitäten waren in seiner gesamten Laufbahn unbestritten, oder kennen Sie einen Rennfahrer, der so nebenher schnell mal einen Marathonlauf bestreitet und nicht etwa kriechend ins Ziel kommt, sondern aufrecht laufend?! Seine Leidenschaft für den Rennsport übertrug sich, nebenbei erwähnt, auch auf seine Schwester. Die wurde zwar keine Rennamazone, heiratete aber einen Mann vom Fach, den erfolgreichen südafrikanischen GP - Fahrer Alan North.



© Fotos: Autor, FBi, Hauserzurück