Geoff Duke

* 29.03.1923
St. Helens (Lancashire) England

© Fotos: Keith Bryen, Cromie McCandless, Frank Bischoff






Geoff Duke und das Norton Werksteam Den Engländer Geoff Duke darf man durchaus als den "Rossi der fünfziger Jahre" bezeichnen. Jedenfalls erlaubt sein Können diesen Vergleich.

Seine motorsportliche Laufbahn startete er im August 1947, als Trial- und Endurofahrer. So gewann er den 350 Cup beim "West of England National Trial" auf einer BSA. Am 12. August 1948 wurde er Vierter bei einem internationalen Enduro-Wettbewerb in Belgien, dem "Grand Prix des Nations". Viel Zeit für eine Anpassung an eine neue Wettbewerbssituation blieb Duke nicht. Schon am 8. September fuhr er sein erstes Straßenrennen, den Manx Grand Prix in der 350 ccm Klasse. Dabei fiel er, in Führung liegend, in der 4. Runde aus. Um das "Durcheinander" zwischen Trial, Enduro und Straßenrennen komplett zu machen, betätigte er sich 18. Dezember des gleichen Jahres noch beim "Northern Experts Trial", bei dem er gewann.

Wohl wissend, dass ihn nur die Konzentration auf eine Wettbewerbsart voran bringt, entschied er sich für den Straßenrennsport - eine gute Entscheidung, wie sich später zeigte. Am 14. Mai 1949 begann er gleich bei der gefährlichen North-West 200 Veranstaltung und wurde Dritter. Einen Monat später gewann er bei der "Clubmans Senior TT" in Rekordzeit. Die Konzentration auf Straßenrennen hatte sich also schon gelohnt. Im September fügte er gleich noch bei den Manx-GPs einen Sieg in der Halbliterklasse hinzu. In der Juniorklasse bis 350 ccm wurde er ehrenwerter Zweiter. In der 5. Runde hatte er noch geführt, büßte aber dann durch einen Sturz seine Siegchancen ein. Geoff war also gewappnet für das Jahr 1950. Dem Ire Artie Bell, selbst einer der Spitzenfahrer in der Szene, war das Talent von Duke natürlich nicht entgangen und er empfahl ihn für das Norton Werksteam unter dem legendären Rennchef Joey Craig. Auf dem Bild oben links sehen wir das Norton-Team mit Cromie McCandless, Dickie Dale, Joey Craig, Johnny Lockett und Rex McCandless. Auf dem Motorrad sitzend Geoff Duke.

Geoff Duke am Start zur TT Für den Neuling Duke begann also eine Fahrt ins Ungewisse. Viele Strecken waren für ihn neu und die Konkurrenten waren teilweise von einem anderen Kaliber als jene welche er bisher kannte. Sein lächeln auf dem Foto beim Start zur TT zeigt aber, er war optimistisch. Das dieser Optimismus berechtigt war zeigte die Bilanz am Ende der Saison 1950. Er wurde in der Weltmeisterschaft, sowohl in der 350 ccm Klasse als auch bei den "Großen" (500 ccm) jeweils Vize. Vor ihm landeten nur Altstar Bob Foster in der 350 ccm Klasse und der italienische Werksfahrer von Gilera in der Halbliterklasse, Umberto Massetti. Kein schlechter Einstand für einen WM - Neuling. Insgesamt hatte er für 1950 4 Grand Prix Siege und weitere 16 Siege auf seinem Erfolgskonto zu Buche stehen.

Die Vorfreude auf und die Erwartungen für das Jahr 1951 waren natürlich hoch. Der Saisonstart am 14. April in Goodwood war schon erst einmal gut. Er gewann sowohl die 350 ccm Klasse als auch die Fünfhunderter. Hier hielt er die nicht ganz unbekannten Bill Doran und Dickie Dale auf Distanz. Natürlich musste auch mit Rückschlägen gerechnet werden. So geschehen beim ersten Saison Grand Prix auf der schweizerischen Bremgartenstrecke. In der 350 ccm Klasse war man dort nicht am Start und in der Halbliterklasse führte er zwar, aber der Vergaser streikte, was zum Ausfall führte. Dafür hielt er sich am 4. und 8. Juni auf der Isle of Man schadlos: er gewann in beiden Klassen. Weitere Doppelsiege gelangen ihm auf dem belgischen Ardennen - Kurs in Spa-Francorchamps und beim Ulster Grand Prix. Damit stand er schon vorzeitig in beiden Klassen als Weltmeister fest.

Eine Woche nach seinen Double begeisterte er 420 000 Zuschauer auf der Solitude (kein WM - Rennen), als er sich dort als frischgebackener Doppelweltmeister präsentierte und standesgemäß auch beide Klassen gewann. Ein erster (350 ccm) und vierter (500 ccm) Platz beim WM - Ausklang in Monza war letztlich nur noch Formsache. Allerdings war aber auch schon für 1952 abzusehen, dass die Italiener stark aufgerüstet hatten und mit Moto Guzzi, Gilera und MV - Agusta in der Halbliterklasse härtere Konkurrenz versprachen als in der abgelaufenen Saison. Für 1952 war also viel Spannung angesagt und seitens Geoff Duke etwas Skepsis durchaus verständlich. Vielleicht hatte man sich bei Norton doch etwas zu sicher gefühlt.

Es schien fast so, als wollte Duke seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen, als er am 14. April 1952 sich auch noch im Sportwagen versuchte. Er startete in Goodwood in einen Aston Martin natürlich als Dritter auf dem Treppchen. Sieger damals wurde übrigens die Rennfahrerlegende Stirling Moss, der einen Jaguar pilotierte. Wie fast schon selbstverständlich gewann er 1 Woche später beide Motorradklassen In Silverstone. Um seine Vielseitigkeit noch mehr zu zeigen startete er am 17. Mai im Berner Geoff Duke und Dickie Dale Bremgarten beim WM - Lauf der 350er Klasse und gewann.Einen Tag später, in der Halbliterklasse, fiel er, in Führung liegend, mit Ventilproblemen aus. Weil seinerzeit durchaus üblich, wurde am gleichen Tag auch noch ein Sportwagenrennen veranstaltet. Duke stieg, wie fast selbstverständlich, von zwei auf vier Räder um und belegte mit seinem privaten Aston Martin gleich noch einen vierten Platz. Im Starterfeld waren 4 Werks - Mercedes, 2 Werks - Lancias und ein Werks - Aston Martin zugegen.

Wie selbstverständlich ging es dann zu den Grand Prix Rennen auf die Isle of Man. Das Junior Rennen gewann er erneut, aber ein technischer Defekt in der Senior Klasse, wiederum in Führung liegend, bescherte ihm neuerlich einen Ausfall. Entweder seine Norton in der Halbliterklasse war ihm nicht mehr hold gesonnen, oder er hatte einfach nur Pech. Zwar gelang Norton mit Reg Armstrong (1.) und Ray Amm (3.) noch einmal der Weg auf das Podest, aber die italienischen Maschinen von MV - Agusta und Gilera waren im Vormarsch begriffen. Kurz und gut, nach vier Siegen in der 350 ccm Klasse stand er nach Spa / Francorchamps vorzeitig als Weltmeister fest. Die 500er Klasse hatte sich entsprechend seiner Klasse als Desaster erwiesen. Guter Rat für 1953 war also teuer - in italienischen Lire ausgedrückt mit den vielen Nullen sowieso. Nachdem ihm Norton also für 1953 kein konkurrenzfähiges Motorrad mehr bieten konnten ging Duke´s Reise gen Süden zu den italienischen Gileras. Im Schlepptau seine Kollegen Reg Armstrong und Dickie Dale. Letzterer war nach längerer Krankheit wieder hergestellt und konnte seine Rennfahrerlaufbahn fortsetzen (auf dem Bild links Duke und Dale).
Das Jahr 1953 begann für Duke erst einmal mit einem Unfall. Mit Peter Collins beteiligte er sich am 12 Stunden Rennen von Sebring in den USA und, in Führung liegend, baute Duke einen Unfall, was natürlich das Ende des Amerika - Trips bedeutete.

Alles halb so schlimm. Bei Gilera brauchte er sich nur auf die Halbliterklasse zu konzentrieren, da Vorjahresweltmeister Umberto Masetti sich von Gilera verabschiedet hatte und er nur in dessen Fußstapfen eintreten sollte. Hauptgegner war demnach für Duke kein Italiener, sondern eher sein Teamgefährte aus Irland, Reg Armstrong. Eine Runde vor Schluß der WM - Saison, im italienischen Monza, konnte Geoff Duke dann auch die Hoffnungen der Italiener erfüllen und erreichte den Weltmeistertitel. Das die Gilera Werksmaschinen Italiener gut eingekauft hatten zeigt auch der zweite WM - Rang von Reg Armstrong. Selbst Dickie Dale als WM - Achter erfüllte noch die Erwartungen von Gilera. Mit welcher Besessenheit Gilera in Fragen der Weltmeisterschaft agierte zeigt das Foto von Spa / Francorchamps 1953 mit der Auswahl an Werksmaschinen (Foto rechts).

Duke´s Einstieg in die Saison 1954 begann bei den North West 200. Er gewann zwar, aber der nur knappe Sieg vor dem neuen Norton - Star Ray Amm aus Rhodesien zeigte, mit Norton war wieder zu rechnen. Armstrong war wieder Teamgefährte von Duke, hatte aber, wie sich später zeigte, nicht mehr die Form des Vorjahres. Dale war zu MV - Agusta gegangen, weil jene auch gerne ein Stück Kuchen von der Popularität der großen Klassen abhaben wollten. Auch Moto - Guzzi versuchten sich in der Halbliterklasse und waren dabei auf einen Spitzenmann aus Australien gekommen, Ken Kavanagh. Fast schon selbstverständlich gewann Duke aber erneut den WM - Titel, diesmal vorzeitig beim GP der Schweiz in Bern. Ein weiterer Aspekt verdient noch erwähnt zu werden. Auf der Isle of Man lag Duke nach 3 Runden in Führung und kam zum Zwischentanken an die Box. Dabei zog Ray Amm als neuer Norton Star an ihm vorbei und kam in die Führungsposition. Eigentlich kein wirkliches Problem, denn Duke hatte den Rückstand bald wieder wettgemacht. Doch dann passierte auf der Strecke ein tragischer Unfall und das Rennen wurde abgebrochen. Als Endergebnis wurde der Stand eine Runde vorher gewertet und da hatte Ray Amm Duke beim Zwischentanken überholt. Alles in allem aber ein gelungenes Jahr 1954.

Gilera von 1955 Das Jahr 1955 (auf dem linken Foto die Gilera, wie sie 1955 von Duke gefahren wurde) endete praktisch wie das vorhergehende Jahr, Duke wurde wieder Weltmeister und Teamgefährte Armstrong Vize. Doch es gab auch mindestens drei Dinge die erwähnt werden sollte. Noch bevor die WM richtig begonnen hatte, war der Dauerrivale der letzten Jahre, Ray Amm, im April tödlich verunglückt. Dann hatte Ex - Weltmeister Masetti zu MV - Agusta gewechselt und damit als ernst zu nehmender Gegner zu gelten (am Saisonende wurde er dann WM - Dritter). Als "Höhepunkt" darf aber Duke´s Hilfsbereitschaft und Kollegialität gelten. Beim Grand Prix in Assen streikten ein großer Teil der Privatfahrer. Grund war, dass sie schon seit einiger Zeit viel zu wenig Startgeld erhielten. In heutiger Zeit würde man sagen, sie lebten am oder besser unter dem Existenzminimum. Die Streikenden wurden als Folge des Streiks und je nach "Schwere der Tat" die folgenden 3 Monate, respektive 6 Monate von allen Rennen ausgeschlossen. Ein Geoff Duke, als gutbezahlter Werkspilot ohne Not, schlug sich aber auf die Seite seiner unterbezahlten Kollegen. Natürlich konnte man Duke nicht behandeln wie einen "simplen" Privatfahrer. Sein Sieg in Assen zählte und damit war er auch Worldchampion 1955. Am 26. November folgte dann das Urteil des FIM - Council: gesperrt für die nächsten 6 Monate, ausgenommen "non-championship races" in England. In der Praxis bedeutete das, das Jahr 1956 konnte er, wie man so schön sagt, abhaken. Allerdings konnte man auch sehen, die Gileras fingen nach Jahren des Erfolges auch an, hier und da technische Schwierigkeiten zu zeigen. Letztlich half es ihm auch nicht, dass Gilera für den letzten Grand Prix in Monza neue Modelle "ins Rennen warf", auch für die bisher nicht gefahrene 350 ccm Klasse, auf dem er natürlich das Halbliterrennen gewann. Auf dem neuen Modell gewann auch Libero Liberati die 350 ccm Klasse und selbst in der Seitenwagenklasse gelang einen der Milani - Brüder, Albino, ein Erfolg gegen die erfolgsverwöhnte Norton und BMW Armada.

Gilera Werksmaschinen Eigentlich begann das Jahr 1957 nicht schlecht für Duke. Von einer Fahrt nach Südafrika kehrte er mit fünf Siegen, einem zweiten und einem vierten Platz nach "Old England" zurück. Damit war aber der positive Aspekt des Jahres 1957 schon vorbei. Am 22. April stürzte er in Imola und verletzte sich das Schlüsselbein so schwer (die Medizin war seinerzeit noch nicht so weit wie heute), dass er für einige Zeit ausfiel. Auch die TT war für ihn "gestorben". Dann musste er erfahren, dass sich die großen italienischen Werke wegen der Kosten und des rückläufigen Umsatzes bei den Serienmaschinen, mit Ausnahme von MV - Agusta, aus der WM zurückziehen werden. Dazu kam noch, dass sich bei Gilera ein neuer Star etabliert hatte, Libero Liberati. Dieser hatte zudem noch den Vorteil, erstens ein Italiener zu sein und keine Ausfälle, wie Duke durch seine Schlüsselbeinverletzung, gehabt zu haben. Liberati wurde schlußendlich in dieser Saison Halbliterweltmeister. Die anfangs vielversprechende 350er hatte, wie sich nun heraus stellte, auch keine wirkliche Chance gegen die Moto - Guzzi unter dem australischen Weltmeister Keith Campbell. Auf dem rechten Bild sehen wir vorn Geoff Duke beim Halbliter GP von Schweden, welcher nicht zur WM zählte. In der Mitte Keith Campbell und im Hintergrund Keith Bryen. Duke wurde Dritter.

1958 entschloss er sich für BMW zu fahren. Ein Flop wie sich bald heraus stellte. Zwar gewann er mit der BMW ein Interrennen in Hockenheim, dem gegenüber standen aber viele Ausfälle. Also "rüstete" er zurück auf Norton. Beim schwedischen GP in Hedemora gewann er die 350 ccm Klasse und siegte auch in der Halbliterklasse: Es waren seine beiden letzten GP - Siege! Als dann am 13. Juli sein Schwager, eben jener Australier Keith Campbell in Frankreich tödlich verunglückte, war selbst ein hartgesottener Racer wie Duke moralisch am Tiefpunkt. 1959 fuhr er dann noch einige Rennen mit einer 350 ccm Norton und einer 250er Benelli, aber das große Feuer, was ihn einst auszeichnete, war offenbar erloschen. Am 17. September 1959 fuhr er dann im schweizerischen Locarno noch in drei Klassen gegen starke Konkurrenz und er gewann alle drei Rennen. Ein würdiger Abschluß seiner Karriere auf zwei Rädern. Zwischen 1960 und 1962 startete er dann auch noch bei verschiedenen Autorennen, hatte auch diverse Unfälle und sagte nach diversen Rekordfahrten im Oktober 1963 endgültig dem Motorsport good bye. Auch die von ihm mit Gilera - Motoren etablierte Scuderia Duke sollte ihm keine besondere Freude machen. Er gründete dann die Firma Duke - Video Marketing, die sich u.a. mit der Herstellung und dem Vertrieb von Videos beschäftigte. Diese Firma leitete er bis zum Pensionsalter und sie wird jetzt noch von seinem Sohn erfolgreich weitergeführt. Der Firmensitz und Duke´s Wohnsitz sind auf seiner geliebten Isle of Man.


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