Stefan Als ich neulich das Foto links aus dem Jahr 1974 wieder einmal in den Händen hielt, kamen mir sofort zwei gravierende Gemeinsamkeiten der beiden Rennfahrer in den Sinn. Erstens das beide Piloten später Weltmeister geworden sind und zweitens, dass sie ihre WM-Titel nicht für ihr Geburtsland erzielten. Da wäre (mit Mütze) Takazumi Katayama, welcher in Südkorea geboren wurde, aber 1977 als erster Japaner einen WM-Titel für das Land in Fernost erreichte und dort jetzt auch lebt. Der zweite Fahrer auf dem Foto und stolzer Besitzer dieser Kreidler ist der in Nagold im schönen Schwarzwald geborene

Stefan Dörflinger

, der seine 4 WM-Titel für die Schweiz erzielte und damit sogar den legendären Luigi Taveri, der es auf drei Titelgewinne brachte, übertrumpfte. Damit ist er bis zum heutigen Tag der erfolgreichste Solofahrer der Schweiz.
Stefan Doerflinger in Brno 1974 Ende der fünfziger Jahre zog Stefan Dörflinger mit seinen Eltern vom heimatlichen Nagold in die Schweiz. Dort absolvierte er seine letzten Schuljahre, seine Lehre als Chemielaborant und die ersten Berufsjahre. Es dauerte nicht lange, dann hatten ihn die Zweiräder "gepackt". Er begann ab 1970 in der Debütanten-Klasse, um dann sehr schnell den Aufstieg zu den "Internationalen" zu schaffen. Im italienischen Monza 1973 gab es für ihn mit einem 10. Platz in seiner angestammten 50 cc Klasse seinen ersten WM-Punkt und auch den ersten Schock. Das war nämlich jene Veranstaltung, bei der der Finne Jarno Saarinen und der Italiener Renzo Pasolini zu Tode stürzten. Der permanent lauernden Gefahr ins Auge sehen oder die Erfolg versprechende Karriere beenden, das war damals die Frage vieler Piloten. Wie fast alle entschied sich Stefan für die Fortsetzung seiner Karriere. Dabei blieb er, nicht zuletzt aus Kostengründen, bis zu seinem Karriereende den leichten Klassen (50 cc, später 80 cc und 125 cc) treu. Dabei galt wiederum das Hauptaugenmerk der 50cc respektive 80 cc Klasse. Stefan Doerflinger in Brno 1974 mit 250 cc Eine Fahrt in der Viertelliterklasse, wie 1974 in Brno (Foto links) - wegen des Startgeldes - sollte die Ausnahme bleiben.

Trotz großer Unterschiede von damals und heute, die Straßenkurse waren zum Beispiel viel gefährlicher als in der heutigen Zeit, gab es auch gegenüber heute viele Gemeinsamkeiten. So waren und sind Fahrer ohne Unterstützung eines Werkes oder eines großen Sponsors in der Weltmeisterschaft praktisch chancenlos. Da hilft dann auch alles Talent nicht. Das musste auch Stefan Dörflinger spüren. Viele exzellente Platzierungen brachten ihm zwar große Anerkennung ein, doch der letzte Schritt ganz nach oben wollte einfach nicht gelingen.

1980 war es dann so weit: im belgischen Zolder gelang ihm der erste GP-Sieg, vor dem späteren Weltmeister Eugenio Lazzarini und Yves Dupont aus Frankreich. Den WM-Titel verpasste er dabei um ganze zwei Punkte, die erStefan Doerflinger, erster GP-Sieg praktisch schon beim Saisonauftakt in Italien hatte "liegen lassen", als er nur den fünften Platz belegt hatte. Jedenfalls zeigte die Saison, daß er weltmeisterschaftsreif war, konnte er sich doch bei den sechs WM-Läufen viermal vor Lazzarini platzieren.

Damit begann praktisch die zweite Hälfte seiner fast 20 Jahre währenden Rennfahrerkarriere und diese zweite Hälfte war die erfolgreichere. Nicht auszudenken, hätte es seinerzeit schon die heutige Regelung gegeben, wonach man nach dem 28. Lebensjahr nicht mehr in der kleinen Klasse antreten darf. Immerhin hatte Stefan bei seinem ersten Grand Prix Sieg das 31. Lebensjahr schon überschritten.



Als dann der Bayer Michael "Mike" Krauser als Sponsor und Teambesitzer die Fäden in die Hand nahm, begann die erfolgreichste Zeit von Stefan Dörflinger. Vier Weltmeistertitel in Folge, von 1982 bis 1985, waren der Lohn für die Stetigkeit, die Stefan immer gezeigt hatte.

StefanAuf dem rechten Foto ist Stefan beim dritten seiner insgesamt 18 Grand Prix Siege in Hockenheim 1981 zu sehen. Der Österreicher Hans Hummel wurde Zweiter in dem Rennen und Rainer Kunz (rechts) belegte damals den dritten Rang.

Nachdem 1984 die 50 cc Klasse durch die 80 cc Klasse ersetzt wurde, konnte man eigentlich absehen, daß diese neue Klasse wegen der geringen Unterschiede zur Achtelliterklasse nicht ewig bestehen würde. Als dann nach der Saison 1989 die 80er Klasse tatsächlich aus dem WM-Programm gestrichen wurde, dachte auch Stefan Dörflinger über sein Karriereende nach. Er hatte inzwischen die "Vierzig" überschritten, war viermaliger Weltmeister und 18-facher GP-Sieger geworden und hatte sich seit seinem ersten WM-Punkt in Monza 1973 17 Jahre lang erfolgreich auf den GP-Strecken der Welt "herumgedrückt" - Zeit also, dem Grand Prix Sport ade zu sagen. 1990 ließ er dann allmählich seine Rennfahrerkarriere ausklingen, um sich vermehrt einem zweiten und ruhigeren Hobby, dem Fischen zu widmen.

Stefan´s WM - Resultate





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