1981 beim GP in Brno, Klasse bis 250 cc

Jacques Cornu mit der Parisienne

1981 in der Klasse bis 350 cc

Jacques Cornu 1989 in Brno
WappenWie wird man eigentlich ein Rennfahrer? Eine oft gestellte Frage, auf die es keine einheitliche Antwort geben kann. Bezogen auf den Mann von dem hier die rede sein wird ist die Antwort aber doch etwas ungewöhnlich. Es waren die fehlenden finanziellen Mittel für ein Auto, die ihn zu den Zweirädrigen brachte. Als Mensch braucht man einfach eine gewisse Flexibilität, und um diese herzustellen einen fahrbaren Untersatz. Wenn die Fränkli nicht für vier Räder ausreichen, dann eben nur für zwei. Und besagter junger Mann fand Gefallen an den Zweirädrigen. So also begann die Karriere eines großen (auch im wahrsten Sinn des Wortes, 1,88 m) Motorradrennfahrers, die des Schweizers

Jacques Cornu

Eine Lehre als Automechaniker hatte Jacques die Grundbegriffe über Motoren vermittelt, die für ihn in seiner Rennfahrerlaufbahn später sehr wichtig werden sollten. Nach dem Erwerb seines ersten zweirädrigen Untersatzes - eine 125 cc CB - blieb er damit nicht nur auf der Straße, sondern es ging auch in´s Gelände. Dabei legte er den Grundstock für eine exzellente Fahrzeugbeherrschung, nicht immer einfach bei seiner Körpergröße. Ab 1974 stieg er dann in den Rennsport ein - mit 21 Jahren. Viel zu spät würde man unter heutigen Gesichtspunkten sagen, damals aber ein übliches Alter.

Nachdem er die Kategorie Anfänger erfolgreich durchlaufen hatte, machte er bereits 1977 mit dem Titel eines Schweizer Meisters auf sich aufmerksam. Ein Jahr später, 1978, gewann er den Titel in drei verschiedenen Klassen. Starts bei internationalen Rennen und ab 1980 in der Weltmeisterschaft waren der logische nächste Schritt in seiner Karriere. Die erreichten WM-Endplatzierungen acht (Klasse bis 250 cc) und sechs (Klasse bis 350 cc) waren besser als man von einem WM - Neuling erwarten durfte.

Fortan ging es auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben. 1982 kam beim Grand Prix sein erster Podestplatz hinzu. Er wurde in der Klasse bis 350 cc Dritter hinter dem aufstrebenden Belgier Didier de Radigues und Toni Mang, welcher sich als Zweiter klassiert hatte. Auch ein Abstecher zu Endurance - Veranstaltungen war von Erfolg gekrönt: Jacques gewann das 6h - Rennen am Nürburgring und die 24h von Liege und wurde Weltmeister in dieser Kategorie, zusammen mit dem Franzose Jean-Claude Chemarin auf einer Werks-Kawasaki. 1983 hat er diesbezüglich in besonders angenehmer Erinnerung. Damals bildete er ein Team mit dem Lokalhelden Didier de Radigues und dem Franzosen Thierry Espié. "Es war festgelegt, dass ich den vorletzten Abschnitt der Distanz übernehmen sollte, bevor dann Didier den Rest der Arbeit übernehmen sollte" sagte Cornu. "Als ich zwecks des geplanten letzten Wechsels an die Box kam, wandte sich aber der Teammanager zu mir und bat mich, auch den letzten Abschnitt noch zu übernehmen. Er begründete das mit seinem Vertrauen in meine sichere Fahrweise. Das ehrte mich natürlich; ich akzeptierte und genoss die letzte Stunde. Wir gewannen und waren glücklich, aber ich war auch total müde."

An Podestplätze hatte sich der Schweizer schon gewöhnt. Es sollte aber bis 1988 in Salzburg dauern, bis er sich dort ganz oben auf "dem Stockerl" einfinden durfte. Rechts von ihm stand Reinhold Roth, der Zweiter geworden war und mit dem er im Fahrerlager besonders harmonierte und an seiner linken Seite der Spanier Juan Garriga. Der Weltmeister des Jahres Sito Pons kam als Fünfter ein.
Sowohl 1988 als auch 1989 konnte sich Jacques über jeweils 3. WM - Endränge freuen. Keine schlechte Bilanz für einen Privatier. Während seiner Karriere hatte Jacques ein lukratives Angebot von Parisienne. Die Schweizer planten, in Verbindung mit dem deutschen Konstrukteur Jörg Möller, ein eigenes Fabrikat auf den Markt zu bringen. Zu den Testfahrern gehörte, neben anderen, auch Jacques Cornu. Leider brachte das Projekt nicht den erhofften Erfolg.

Nach über 15 Jahre Rennsport und dem Gedanke im Hinterkopf, dass es ja auch ein Leben danach noch gibt, beendete Jacques nach der Saison 1990 seine rennsportlichen Aktivitäten. Er nahm sich eine einjährige Auszeit, um sich mit der Vorbereitung und Gründung seiner bürgerlichen Existenz zu befassen. So entstand seine Cornu Master School, in der er seine gemachten Erfahrungen den ganz "normalen" Motorradfahrern übermittelt, damit sich diese auf ihren Zweirädern im Alltag sicherer und souveräner bewegen können. Er geniest dabei die Empfehlung des Schweizer Verkehrssicherheitsrates.

Zieht man ein Fazit dieser außergewöhnlichen Karriere, so kann Jacques auf erstaunliche Zahlen zurückblicken. So klassierte er sich bei 94 Grand - Prix Rennen innerhalb der Punktewertung. Davon waren 21 Podestplätze, bei denen er bei 3 Rennen ganz oben auf dem Treppchen stand. Eine Karriere auf die man stolz sein kann und die es am 15. Mai, zum Sechzigsten, zu feiern gilt.
© Fotos: FBi, Archiv Autor




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