Rolf Blatter

* 18.02.1951

Schweiz - Suisse - Switzerland
Rolf absolvierte die Lehre in die Lehrwerkstätte in Bern und sparte jeden Rappen (z. B. wurde am Mittag nur 1 Brötchen gekauft und der mit dem Rest des Geldes wurde ein Rennmotor gekauft.) Es gab kein PKZ (Papa kann zahlen). In den Lehrlingsferien half Rolf in Vaters Betrieb aus um Autos zu waschen und kleinere Arbeiten zu tätigen. Dafür gab es einen kleinen Lohn.

1971, gerade nach der Lehrzeit, begann Rolf selbst mit dem aktiven Rennsport. Die Kasse war knapp und das gesparte Geld reichte nur für die kleinere Klasse, deshalb beschränkte er sich von Anfang an auf die 50 cc Motorräder. Das Ding dass er sich anschaffte war ein komplizierter Eigenbau von Riedrich, einem Tüftler aus der Ostschweiz. Rolf kam mit diesem launischen Triebling nicht so richtig zurecht, so dass bald einmal einer der damals so gefragten KREIDLER RS-Rennsätze mit etlicher Finanzakrobatik angeschafft wurde. Vater Blatter (im Bild rechts Vater Rene Blatter bei Rennen auf der Grasbahn) schoss das Geld vor (wurde später jeder Cent zurück bezahlt). Damit gelangen dann die nötigen Erfolge, so dass Rolf, bereits 1972 zu den „Nationalen“ aufstieg. Erstmals im Leben wurde ein Flugzeug bestiegen und ab ging’s nach Amsterdam auf dem Harlemweg, wo der weltbekannte Van Veen seine sagenhaften Motörchen auf Kreidlerbasis anfertigte. Für Sfr. 5'000.- bekam man so ein wassergekühltes Fünfzigkubikmotörchen mit 15 PS bei 15000 U/Min. Ein spezielles Fünfganggetriebe war bereits eingebaut und hatten immer noch eine nasse Kupplung. Mit diesem Motor wurde Rolf Blatter dann Schweizermeister und bekam damals gleich die GP-Lizenz.

1972, ging Rolf nach der Rekrutenschule nach Lausanne um beim bekannten Walther-Honda zu arbeiten. So kam Rolf zum erstenmal mit jemand in Kontakt der Rahmen selbst baute und auch an den Motoren keine Schraube an der andere einliess. Dort hat er auch seine heutige Frau Sandra kennengelernt.

Noch konnte er die GP-Lizenz nicht voll auskosten weil das Material noch verbessert werden musste. Ein Eigenbaurahmen wurde konstruiert. Ein 6-Gang-Motor mit Trockenkupplung (ab Werk) angeschafft und eine neue Verkleidung angefertigt. Ab 1974 wurde dann richtig im Ausland Rennen gefahren. Dazu brauchte man aber eine 2. Maschine, (als Spesenhobel), so konnte man ein höheres Startgeld (Spesengeld) bekommen. Mit einer MAICO 125ccm, ebenfalls mit Eigenbaurahmen konnte das realisiert werden. Nun ging es langsam aufwärts. 1976, wurde eine effektive gute Saison gefahren und konnte den 6. WM-Rang belegen und sein Bester Freund Ueli Graf den sensationellen 3. Gesamtrang belegen.

Nach dieser befriedigten Saison wurde den ganzen Winter viel gebaut. Ein eigener Prüfstand half dem emsigen „Schrauber“ und eigene PS konnten dazu addiert werden. Kein kritischer Punkt an den Maschinen blieb unbeachtet. Mit perfekt zu Recht gemachtem Material ging die Saison los. Aber bereits in Imola, der dritte Lauf der Saison, war der Traum aus. Ein Sturz, der auf den ersten Blick keine ernsten Folgen zu haben schien. Jedoch verletzte sich Rolf an die Schulterbänder und an diversen Knochen. An sich keine grosse Sache, jedoch die Heilung zog sich in die Länge. So konnte die Saison 1978 abgeschrieben werden.

Mit Hockenheim fing die Saison 1979 wieder an und Rolf wurde 4er. Eine Woche danach in Imola, erkämpfte Rolf den 2ten Platz nach Lazzarini. Rolf war das erste Mal auf einem WM-Podest. Er riskierte Kopf und Kragen. Man fragte sich auch wer ist der Grösste? Rolf Blatter mit einer Grösse von 1.85 oder Eugenio Lazzarini mit 1.53.

Der Burgdorfer, der neben einem vollen Arbeitspensum kaum mehr als „hobbymässig“ Motorrad-GP´s bestritt, wurde Leader in der 50ccm-Weltmeisterschaft. Mit seinem 3. Platz in Jarama und dem gleichzeitigen Forfait des verletzten Ricardo Tormo erklomm Rolf punktgleich mit Jamara-Sieger Lazzarini, die WM-Spitze. Erstmals war wieder ein Schweizer Leader in der WM seit Taveri 1966. Rolf Blatter bewies ein sehr starkes Durchsetzungsvermögen auf der Piste. Gute Plätze, bester Privatfahrer ohne Werksunterstützung. Rundenlang duellierte sich Blatter mit seinen Mitstreitern. Nach dem 2. Platz in Spanien kommen noch die Grand-Prix von Holland, Belgien und Ende September, in Frankreich, dazu. Als scharfe Rivalen stufte Rolf Lazzarini und Weibel ein, die beiden mit Werkunterstützung.

Im Grand-Prix von Frankreich, nach einem harten Kampf gegen Lazzarini und Dörflinger wurde Rolf Blatter Vize-Weltmeister der Klasse 50 cc im September 1979.

Heute führt Rolf Blatter ein Motorrad-Geschäft in Burgdorf. Seine Söhne haben auch den Rennbazillus geerbt. Marco, der älteste fährt gerne auf der Honda-Teststrecke und streitet mit seinem Vater um die Geschwindigkeiten. In 3ter Generation bereitet sich Marco Blatter vor um das Geschäft übernehmen zu können. Patrick Blatter bestreitet Rennen mit Motocross. Er trainiert auch in Spanien, Frankreich und Italien. Bruno Blatter weiss noch nicht genau was er fahren will.

Rolf ist der ideale Partner um über Motorräder zu sprechen. Durch seine Rennfahrerzeit hat er vieles selbst ausprobieren und erfahren können und kann dadurch seinen Kunden mit Rat und Tat beihilfe leisten!
alle WM - Ergebnisse innerhalb der Punkteränge

Rang Jahr Marke Klasse Resultate
28 1973 Kreidler 50 cc Deutschland 10.
21 1974 Kreidler 50 cc CSSR 10. - Jugoslawien 8.
18 1975 Kreidler 50 cc Finnland 7.
7 1976 Kreidler 50 cc Italien 6. - Jugoslawien 9. - Schweden 10. - Finnland 7. - Deutschland 5. - Spanien 4.
26 1976 Maico 125 cc Jugoslawien 7.
17 1977 Kreidler 50 cc Italien 5.
23 1977 Morbidelli 125 cc Österreich 9. - Deutschland 8.
5 1978 Kreidler 50 cc Italien 4. - Holland 8. - Deutschland 5. - Jugoslawien 4.
27 1978 Morbidelli 125 cc Belgien 8.
2 1979 Kreidler 50 cc Deutschland 4. - Italien 2. - Spanien 3. - Jugoslawien 2. - Holland 3. -
Frankreich 3.
26 1979 Morbidelli 125 cc Österreich 7. - CSSR 7.
11 1980 Kreidler 50 cc Spanien 4. - Holland 8. - Belgien 8.
16 1980 Morbidelli 125 cc Italien 10. - Spanien 6. - CSSR 9.
6 1981 Kreidler 50 cc Spanien 5. - Jugoslawien 3. - Holland 3. - Belgien 4. - CSSR 6.
17 1982 Kreidler 50 cc Spanien 9.

Quelle des Berichts © Fotos: Frank Bischoff


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