Hugh Neville "Kork" Ballington

Vierfacher Weltmeister auf Kawasaki

Fotos: Rolf Eggersdorfer, FBi


Es ist schon etwas eigenartig, wie so manche Sportlerkarriere verläuft. Da gewinnt ein Jugendlicher in seiner südafrikanischen Heimatstadt Natal die für jedermann offene Cross - Meisterschaft. Nicht einmal überraschend, denn offenbar war dieser junge Bursche "vollgestopft" mit läuferischen Genen. Sein Onkel hatte fünfmal den in Südafrika bekannten Comrades - Marathon gewonnen. Dazu hatte er auch in England den Lauf von London nach Brighton gewonnen und den von London nach Bath. Letzterer ging immerhin über die stattliche Distanz von 100 Meilen. Auch sein Vater konnte viel läuferisches Talent in die Waagschale werfen und wurde Zweiter beim Ultra - Marathon von Südafrika 1949. Für alle Fachleute stand nach dem Gewinn der Cross - Meisterschaft dieses jungen Burschen fest, noch dazu bei so viel "Erbgut": aus dem wird einmal was.
Wie Recht sie haben sollten. Dieser junge Mann quälte sich zwar fortan nicht mit einer läuferischen Karriere herum, aber er wurde einer der erfolgreichsten Motorradrennfahrer aller Zeiten mit immerhin vier errungenen Weltmeistertiteln. Um wen es sich hier handelt? Ich spreche von dem am 10. April 1951 geborenen Hugh Neville "Kork" Ballington. Als Vater John merkte, daß das Interesse von Kork mehr bei den motorisierten Zweirädern lag und auch Kork´s älterer Bruder ein begeisterter Zweiradanhänger war, unterstützte er Kork wo er konnte. Als äußeres Zeichen seiner Bewunderung hatte Kork in seinem Schlafraum die Wände mit Bildern seiner Helden dekoriert, die da waren Mike Hailwood und Jim Redman. Sein erstes Rennen bestritt er mit einer 50 cc Honda auf dem nahe gelegenen Hesketh - Circuit und wurde gleich ermutigender Dritter. Nachdem er das damals geltende Mindestalter von 16 Jahren für Maschinen ab 125 cc erreicht hatte, ging es bei Kork mit den Erfolgen wie auch mit den Hubräumen der Motorräder aufwärts.

Nachdem er vier regionale Titel eingefahren hatte, wurde er 1972 in der unlimitierten Klasse Südafrikanischer Meister mit einer H1R Kawasaki. 1972 war es auch, als er bei der südafrikanischen TT auf dem Hesketh - Circuit hinter Agostini und Sheene glänzender Dritter wurde. Auch eine Woche später in Kyalami gab es diesen Einlauf.

An die Titelvergabe des Südafrikanischen Meisters war auch ein Sponsoring für 1973 verknüpft: "Fahrer nach Europa". Also machte sich 1973 ein Trio, bestehend aus Kork, seiner Freundin Bronwyn und Bruder Deryck, auf den Weg in eine ungewisse Zukunft Richtung "alte Welt". Im Reisegepäck befand sich eine schon etwas betagte, drei Jahre alte, 250 cc Yamaha. Dabei verhielt sich "Old Europe" erst einmal nicht sonderlich freundlich zu seinen Gästen. Schneeschauer im belgischen Mettet und starker Regen am Nürburgring waren alles andere als einladend. In Hockenheim machte Kork dann eine überraschende Erfahrung: ein harmloser Rutscher ohne sichtbar größeren Schaden brachte für einmal eine positive Überraschung. Das Motorrad war plötzlich besser im Handling. Größere Probleme waren aber, daß es überall sehr schwierig war, für die Veranstaltungen einen Start zu bekommen und damit verbunden, daß das Geld immer knapper wurde. So mußte er in Rimini 200 Trainingsrunden vorlegen, um den Veranstalter von seiner Qualität zu überzeugen. Zum Rennen wurde er dann übrigens exzellenter Zweiter hinter Dieter Braun.

Welch ein Glück für das Trio aus Südafrika. Kork hatte eigentlich genug vom Kampf um Starts. Er wollte eher auf den Rennpisten um gute Resultate kämpfen und nicht mit Funktionären um einen Startplatz. So gingen sie nach England um sich auf die Rückreise vorzubereiten. Dort erfuhr ein in England lebender Südafrikaner, Doug Aldridge, von Kork´s Problemen bei den Startgenehmigungen. Er verhalf Kork zu verschiedenen Starts bei einigen Kurzstreckenrennen - mit Erfolg. Kork gewann zum Beispiel drei Rennen in Snetterton an einem Tag. Das machte natürlich Mut für eine weitere Saison in Europa. So machten sich "The Jungle Bunnies (die Dschungel - Kaninchen)", so nannte man das Trio mehr oder weniger liebevoll auf Europas Rennpisten, zurück in ihre südafrikanische Heimat Die Rückkehr nach England 1974 brachte "The Jungle Bunnies" dann auch bessere Voraussetzungen als im Jahr vorher. Mit Barry Ditchburn als Teamgefährte wurde das Thruxton 400 Rennen gewonnen und damit auch die Zusage für 1975, eine "Ex - Werks - Kawasaki 750" geliehen zu bekommen. Auch setzte sich Mick Woollett, ein ehemaliger Seitenwagenpassagier und Sportjournalist für das Trio aus Südafrika ein. Er brachte Kork mit dem großen Autohändler und Motorrad - Sponsor Syd Griffiths zusammen. Der war von Kork´s Können und positiven Auftreten überzeugt und sicherte seine Unterstützung zu.

Selbst auf einen großen Fiat Transporter mit entsprechenden Einbauten konnte er nun zurückgreifen. Als er in Rouen - neben vielen anderen Rennen - gewann, lernte er sogar die vorzügliche französische Küche kennen und lieben.Für das letzte WM - Rennen am 19. September in Barcelona hatte er zwar erneut eine Startabsage, aber eine freundliche Dame im Rennbüro ließ sich erweichen und er erhielt einen Start. Die gleiche Dame zahlte ihm dann das Preisgeld für seinen ersten Grand Prix Sieg aus. Er hatte das Rennen vor Victor Palomo und Franco Uncini gewonnen.

Das Jahr 1977 begann für den Südafrikaner mit zwei neuen Yamahas in den 250 cc und 350 cc Klassen und einer gebrochenen linken Hand in Madrid. Sein Doktor meinte dazu, daß damit für ihn das Rennjahr gelaufen wäre. Unter diesen materiellen Voraussetzungen war dies ein Unding für Kork Ballington. Bruder Deryck baute für Kork´s linkes Knie eine Vorrichtung, durch die Kork mit dem Knie seine linke, gebrochene und eingegipste Hand entlasten konnte. Zwar musste er die Rennen in Frankreich und Jugoslawien pausieren, aber in Assen zeigte er mit der noch immer gebrochenen Hand eine Meisterleistung, denn er gewann das Rennen der Klasse bis 350 cc, wenn auch unter Schmerzen. Ein weiterer Sieg in Silverstone brachte für den Südafrikaner dann die Wende zum Werksfahrer.

Der Direktor von Kawasaki UK, John Norman, bot ihm für 1978 sowohl für die Viertelliterklasse als auch für die 350 cc Klasse seine Zweizylinder - Maschinen mit voller Werksunterstützung an. Wie richtig diese Entscheidung war, Ballington als Werksfahrer einzusetzen, zeigen die insgesamt vier Titelgewinne des Südafrikaners 1978 und 1979 in beiden Klassen. Ballington und der ebenfalls neu zu Kawasaki gekommene Australier Greg Hansford bildeten für Kawasaki ein nahezu unschlagbares Duo in der Weltmeisterschaft (im Foto rechts beide 1979 in Brno). Nur 10 weitere Namen konnte man in beiden Klassen 1978 und 1979 ebenfalls als Sieger feiern und da waren absolute "Kaliber" dabei: Takazumi Katayama, Kenny Roberts sen., Toni Mang, Paolo Pileri, Graziano Rossi, Walter Villa, Carlos Lavado, Jon Ekerold, Patrick Fernandez und Edi Stöllinger. Bis auf Rossi, Fernandez und Stöllinger waren alle vorher bereits Weltmeister oder sind es später noch geworden. Auf dem Bild links sehen wir die Siegerehrung 1979 in der 350 cc Klasse in Brno: von links: Toni Mang (D), ebenfalls auf einer Kawasaki, Kork Ballington und Patrick Fernandez (F) als Dritter auf einer Yamaha. Unten sehen sie noch die Sieger der Viertelliterklasse von Brno 1979 von links: Graziano Rossi, Kork Ballington und Paolo Pileri.Natürlich wusste man auch bei Kawasaki, daß die beste Werbewirksamkeit noch immer mit Siegen in der Halbliterklasse besteht. So ging man daran, für die WM ein 500 cc Motorrad zu bauen. Um es gleich vorweg zu nehmen - das Projekt wurde ein Reinfall, weil viel zu schwer und wohl auch zu lang und damit unfahrbar. Da halfen auch alle Fahrkünste von Kork Ballington und Greg Hansford nicht. Kurzerhand schloß man 1982 bei Kawasaki das Projekt Halblitermaschine.

Auf Einladung eines amerikanischen Millionärs, Bob Mc Lean, der dort ein eigenes Rennteam mit Ex - Werks - Hondas unterhielt, reiste er 1986 in die Staaten, um an der dortigen Meisterschaft in der Halbliterklasse teilzunehmen. Dabei wurde Kork Vizemeister und im darauffolgenden Jahr wieder Vizemeister, diesmal in der Viertelliterklasse. Auch Kawasaki hatte ihn nicht vergessen und lud ihn 1986, 1987 und 1988 jeweils zu den 8 - Stunden Rennen auf der Suzuka Rennstrecke ein. Nach einen Sturz später im Jahr auf dem Kurs in Loudon / USA, hielt er seine Zeit für gekommen, sein Leder an den "berühmten Nagel zu hängen". 31 Grand Prix Siege und 4 Weltmeistertitel kann sich als seine persönliche Erfolgsbilanz wirklich sehen lassen. Dazu kommen ja noch zahlreiche weitere Siege bei internationalen Rennen in aller Welt. Seine vorerst letzte Verbindung zum Rennsport kam 1993, als Kawasaki neuerlich versuchte eine Viertellitermaschine in der Weltmeisterschaft zu installieren. Dazu heuerte man Kork als Teammanager an. Wegen chronischen Leistungsmangel hat man diesen Plan aber bald wieder gestoppt. Ballington´s geschäftliches Interesse bestand in der Herstellung von elektrischen Golf - Karts. Außerdem widmet er auch viel Zeit seiner Familie. Seine frühere Freundin Bronwyn ist längst seine Frau geworden und zur Familie, bestehend aus 4 Personen, gehören auch noch die Söhne Craig und Jake. Mum Ballington ist mit ihrer Familie voll ausgelastet, zumal sie ihre Liebe für die französische Küche beibehalten haben. 1998 verlegten die Ballingtons ihren Wohnsitz nach Australien, daß ihnen durch die Schilderungen von Greg Hansford bestens bekannt geworden ist.
Rang Jahr Marke Klasse Resultate
13 1976 Yamaha 250 cc Nürburgring (D) 2. - Montjuich (E) 8.
12 1976 Yamaha 350 cc Mugello (I) 6. - Montjuich (E) 1.
6 1977 Yamaha 250 cc San Carlos (YV) 5. - Hockenheim (D) 6. - Spa/Francorchamps (B) 6. - Imatra (SF) 3. - Brno (CS) 4. - Silverstone (GB) 1.
5 1977 Yamaha 350 cc Assen (NL) 1. - Anderstorp (S) 2. - Brno (CS) 7. - Silverstone (GB) 1.
1 1978 Kawasaki 250 cc San Carlos (YV) 5. - Jarama (E) 4. - Nogaro (F) 3. - Mugello (I) 1. - Assen (NL) 2. - Spa/Francorchamps (B) 5. - Karlskoga (S) 2. - Imatra (SF) 1. - Nürburgring (D) 1. - Brno (CS) 1. - (YU) 3.
1 1978 Kawasaki 350 cc San Carlos (YV) 4. - Salzburgring (A) 1. - Nogaro (F) 2. - Mugello (I) 1. - Assen (NL) 1. - Karlkoga (S) 2. - Imatra (SF) 1. - Silverstone (GB) 1. - Nürburgring (D) 2. - Brno (CS) 1.
1 1979 Kawasaki 250 cc San Carlos (YV) 2. - Hockenheim (D) 1. - Imola (I) 1. - Jarama (E) 1. - Rijeka (YU) 4. - Assen (NL) 3. - Karlskoga (S) 5. - Imatra (SF) 1. - Silverstone (GB) 1. - Brno (CS) 1. - Le Mans (F) 1.
1 1979 Kawasaki 350 cc San Carlos (YV) 4 - Salzburgring (A) 1. - Hockenheim (D) 4. - Jarama (E) 1. - Rijeka (YU) 1. - Imatra (SF) 9. - Silverstone (GB) 1. - Brno (CS) 1. - Le Mans (F) 5.
2 1980 Kawasaki 250 cc Jarama (E) 1. - Le Castellet (F) 1. - Imatra (SF) 1. - Silverstone (GB) 1. - Brno (CS) 2. - Nürburgring (D) 1.
12 1980 Kawasaki 500 cc Le Catellet (F) 8. - Imatra (SF) 5. - Silverstone (GB) 7.
8 1981 Kawasaki 500 cc Salzburgring (A) 6. - Le Castellet (F) 7. - Assen (NL) 3. - Imola (RSM) 5. - Imatra (SF) 3. - Anderstorp (S) 4.
9 1982 Kawaski 500 cc Buenos Aires (RA) 8. - Jarama (E) 9. - Misano (I) 6. - Assen (NL) 7. - Spa/Francorchamps (B) 8. - Rijeka (YU) 10. - Silverstone (GB) 7. - Anderstorp (S) 6. - Mugello (RSM) 7.




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