Es gibt da eine bekannte Redewendung die da lautet: er kam, sah und siegte. Bei dem Fahrer über den hier kurz berichtet werden soll müsste man diese geflügelten Worte ein wenig abwandeln, etwa in

er kam, sah und etablierte sich

im Grand-Prix-Geschehen. Ich spreche hier vom Österreicher

Karl Auer

Der sehr talentierte Niederösterreicher feiert am 12. Januar 2015 seinen 72. Geburtstag und aus dem Anlaß möchte ich mit wenigen Worten an seine Karriere erinnern. Mit damals bereits zwei Staatsmeistertiteln im Gepäck - es sollten bis zum Karriereende gesamt neun werden - und einer Matchless auf der Ladefläche seines Transporters zog er 1969 aus, um in die große Welt der Rennszene einzusteigen. Die Staatsmeistertitel halfen ihm dabei nur insofern als jeder Veranstalter bemüht war, ein möglichst "buntes" Feld an Fahrern zusammen zu bekommen. Dazu sollte man wissen, daß die Veranstalter ihre Starterfelder seinerzeit selber zusammen stellten und da machte es sich gut mit: "Fahrer aus soundsovielen Ländern am Start" zu werben.

Bereits beim dritten Rennen landete Karl auf dem Podest im französischen Le Mans. Die Kontrahenten hatten ihn wahrgenommen. Gerne erinnert sich der Autor noch an den Grand Prix im gleichen Jahr auf dem Sachsenring. Normal war bei den Rennen: Seriensieger Agostini kam jeweils bereits aus der ersten Runde mit einigen Abstand vor dem Rest des Feldes. Am Sachsenring war es aber ein wenig anders. Vom Start/Ziel aus, von dem man die lange Abfahrt vor der Queckenbergkurve einsehen konnte, kam natürlich wie gewohnt Ago als Erster die Abfahrt herab. Danach, etwa 200 Meter dahinter das Feld, also alles wie gehabt. Doch was war denn das? Im Windschatten von Agostini, praktisch in einer Spur mit ihm, hatte sich ja noch ein anderer Fahrer "eingenistet". Ein Blick ins Programmheft und der Name war schnell herausgefunden: Karl Auer. MV-Agusta kontra Matchless, Filetbraten gegen Eintopf, das konnte natürlich nicht lange gut gehen. Während der Eintopf immer mehr abkühlte und in der 15. Runde endgültig erkaltet war, duftete das Filetstück noch bis zum Schwenken der Zielflagge in der 20. Runde. Für Karl blieb letztlich nur der Trost, daß sein mit ihm gereister Landsmann Werner Bergold bei der Hatz den vierten Rang erreicht hatte.

Für Karl war spätestens nach der Saison 1971 klar - die Zeit der Eintöpfe ist vorbei. Um einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben mußte man sich der japanischen Küche bedienen, sprich bei Yamaha. Die hatten für Privatiers halbwegs finanzierbare Maschinen auf den Markt gebracht, kreischende Zweitakter, die zumindest halbwegs Konkurrenzfähigkeit versprachen. Trotzdem schwebte aber über Allem der bekannte Leitsatz: ohne Moos nix los.

Da half alles Talent und Können nichts, die Alpenrepublik war nicht gerade dafür bekannt, daß die Sponsoren an den Rennfahrertüren schlange stehen. Unter den genannten Umständen erfolgreich Rennsport zu betreiben war nahezu aussichtlos. Rennsport ja, er war ja in dem Zirkus durch seine Leistungen etabliert. Erfolgreich auch, aber nicht seinen berechtigten Ansprüchen entsprechend. Immerhin hat er sich mit Kontrahenten vom Kaliber eines Giacomo Agostini, Barry Sheene, Kenny Roberts, Takazumi Katayama usw. duelliert, alles Werksfahrer oder von Werken unterstützte Piloten.

Als Einnahmequellen mußten die sogenannten Interrennen herhalten, bei denen er sich mit maschinell gleichgestellten Fahrern "bekriegte" und bei denen für ihn Podestplätze zum Standard gehörten, soll heißen, mit denen er sich seinen Lebensunterhalt verdiente. Während man heute in der Alpenrepublik Jubelarien bei einem sogenannten "Top-Ten" Platz anstimmen würde, erreichte Karl solche Plätze, trotz aller Widrigkeiten, mit schöner Regelmäßigkeit. Dabei verpasste er schon mal knapp Podestpätze. So zum Beispiel 1975 und 1976, als er beim Grand Prix in Brno in der Halbliterklasse jeweils Vierter geworden war. Damit konnte er zwar zufrieden sein, zufrieden gestellt jedoch hat ihn diese Situation nicht. So konstatierte er nach der Saison 1977: das war´s jetzt mit meiner Rennkarriere. Über Positionen als Werkstattmeister bei Honda- und KTM-Händlern arbeitete er sich vor bis zur heutigen Position als Pensionär. Auch fröhnt er seiner neuen Leidenschaft, dem Bergsteigen. Als ich Karl letztmalig am Telefon "erwischte", kam er gerade von einem "Kulturtrip" aus Dresden zurück. Bleibt mir nur noch zum Ende dieses kleinen Berichts ihm zum Siebzigsten alles Gute zu wünschen und vor allem beste Gesundheit für die kommenden 30 Jahre. Da wir fast gleichaltrig sind (der Autor ist ein halbes Jahr älter), weiß ich wovon ich spreche - bitte bleib so wie Du immer warst, ein netter und freundlicher Mensch, der unser aller Achtung verdient hat!
© Fotos: Günter Geyler, Jarda Sejk, Autor
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